Philippinischer Präsident Duterte für die Öffnung der Ehe

Aber was ist die Ankündigung nach den zahllosen Kurskorrekturen wert?

Rodrigo Duterte
Wikimedia/PCOO EDP

Auf den Philippinen hat Präsident Rodrigo Duterte überraschend seine Unterstützung für die Öffnung der Ehe bekanntgegeben. Zuvor hat er sich wiederholt homophob geäußert – nun hat er in einer Rede vor LGBT-Aktivisten einen Kurswechsel angekündigt.

„Ich will gleichgeschlechtliche Ehen. Das Problem ist nur, dass wir dafür das Gesetz ändern müssen, aber das können wir tun“, so der Präsident: „Wenn das der Trend der modernen Zeit ist, wenn es zu eurem Glück beiträgt, bin ich dafür. Wer bin ich, dagegen zu sein?“ so der 72-Jährige weiter.

Unerwartete Unterstützung für die LGBT-Community auf den Philippinen

Auch sonst gab sich Duterte unerwartet LGBT-freundlich. Er bedankte sich bei den Aktivisten für ihr Engagement und versprach, „dass jeder – zumindest in meiner Amtszeit – geschützt wird“. Er rief die Community auch dazu auf, einen Vertreter in die Kommission des Präsidenten für die Bedürftigen in den Städten zu berufen: „Ich wünsche mir, dass dort ein Schwuler oder eine Lesbe mitmacht“, so der Präsident.

Für Rodrigo Duterte ist das schon der zweite Kurswechsel bei diesem Thema: Bevor er 2016 Präsident der Philippinen wurde, sagte er, er habe kein Problem mit der Gleichberechtigung sexueller Minderheiten. Nach seinem Amtsantritt lehnte er die Ehe-Öffnung allerdings ab, „weil wir Katholiken sind“.

Bislang ist Duterte durch homophobe Beschimpfungen aufgefallen

Auch ist Duterte in seiner Amtszeit bislang eher durch homophobe Beschimpfungen aufgefallen. Im Vorjahr hat er beispielsweise den damaligen US-Botschafter auf den Philippinen als „schwulen Hurensohn“ bezeichnet, vor einigen Monaten fragte er den Chef der nationalen Menschenrechtskommission: „Sind Sie schwul oder ein Pädophiler?“ Was seine Ankündigungen wert sind, wird also die Zeit zeigen.

Rodrigo Duterte gilt als Populist im Stil von Donald Trump. Umfragen zufolge unterstützen vier von fünf Einwohnern seinen harten Kurs: So hat er mehrfach angekündigt, Drogendealer von Spezialeinheiten ohne Gerichtsverfahren töten zu lassen. US-Schauspielerin Bette Midler nannte ihn deshalb einen „mörderischen Diktator“. Kritiker befürchten, dass er wirklich versuchen könnte, auf den Philippinen wieder eine Diktatur zu erreichten.

Verglichen mit anderen Ländern der Region ist die Bevölkerung gegenüber sexuellen Minderheiten tolerant

Homosexualität ist auf den Philippinen legal, seit 2009 dürfen Schwule und Lesben auch im Militär dienen. Erst im September beschloss das Parlament ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz. Das Land ist stark durch die römisch-katholische Kirche geprägt. Achtzig Prozent der etwa 100 Millionen Einwohner bekennen sich zum Katholizismus.

Trotzdem ist die Bevölkerung, verglichen zu anderen Ländern der Region, tolerant: So stimmen einer Umfrage zufolge 63 Prozent der Aussage zu, dass Homosexuelle gleiche Rechte haben sollten – bei der Öffnung der Ehe sind allerdings 84 Prozent der Befragten dagegen.