Gemischte Jahresbilanz bei Queer Base

In einigen Fällen konnten die Aktivisten den Geflüchteten helfen - in anderen nicht

Queer Base
Queer Base

Eine gemischte Jahresbilanz zieht man bei Queer Base, der größten österreichischen Betreuungsstelle für queere Geflüchtete.  In vielen Fällen sei es gelungen, den Betreuten zu einem positiven Asylbescheid zu verhelfen. Doch die Lage bleibt weiterhin prekär.

Etwa 310 Geflüchtete werden von Queer Base betreut

Insgesamt betreut Queer Base derzeit etwa 310 Geflüchtete. Aufatmen gab es zuletzt bei Queer Base, als eine Trans-Frau aus Afghanistan und eine Lesbe aus Kamerun ihren positiven Asylbescheid in Händen hielten. „Es war klar, dass ihr in der Heimat Ausgrenzung und Todesstrafe drohen“, so QueerBase-Aktivistin Marty Huber im Gespräch mit GGG.at über den Fall der Afghanin.

Sorge macht den Aktivisten aber unter anderem auch ein 29 Jahre alten Algerier. Der schwule Mann wurde Mitte Dezember von Österreich nach Italien abgeschoben, weil er dort zum ersten Mal EU-Boden betreten hat. Da er dort allerdings auch sein Bruder lebt, hat er jetzt Angst um sein Leben.

Obwohl ihn sein Bruder in Italien finden könnte, bekommt ein Algerier in Österreich kein Asyl

Bevor er nach Österreich kam, flüchtete er aus Angst, von seiner Familie umgebracht zu werden, von Algerien nach Libyen. Dort geriet er in ein Lager, in dem er gefoltert und vergewaltigt wurde. Er gilt als psychisch labil und selbstmordgefährdet – trotzdem wurde er nach Sizilien abgeschoben.

Die Gesetze und Bestimmungen für queere Geflüchtete haben sich in den letzten Jahren vor allem auf europäischer Ebene verbessert, heißt es bei Queer Base. Das nutzt den Betroffenen auch in Österreich – viele zuständige Sachbearbeiter sind mittlerweile sensibilisiert, wenn es um die Bedürfnisse dieser Gruppe geht.

Was passiert mit Flüchtlingen aus Tschetschenien, wenn die FPÖ Präsident Kadyrow lobt?

Doch auch diese sind an die Richtlinien des von der FPÖ geführten Innenministeriums gebunden – und das macht die Aktivisten von Queer Base unruhig. Schließlich hat der frischgebackene FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow mehrfach öffentlich gelobt – und solche Kontakte könnten künftig negative Auswirkungen haben, wenn schwule Tschetschenen vor Mord und Verfolgung nach Österreich fliehen.

Auch Gudenus‘ Forderung, Asylwerber konzentriert in Massenlagern am Stadtrand unterzubringen, sieht man bei Queer Base kritisch. „Das Wohnumfeld ist wichtig, damit die Geflüchteten über ihre eigene sexuelle Identität sprechen und diese ausleben können“, erklärt Huber. Deshalb versuche man auch, den Betroffenen private Unterkünfte zu vermitteln.

Privaten Organisationen wie Queer Base könnte die Flüchtlingshilfe künftig schwerer gemacht werden

Solche Aktionen privater Organisationen für Geflüchtete könnten künftig deutlich schwerer werden, befürchtet Huber. Und das betrifft auch die Rechtsberatung, die Queer Base-Mitarbeiter_innen ehrenamtlich anbieten. „Eine gute Rechtsvertretung macht einen enormen Unterschied, wenn es darum geht, ob der Asylantrag positiv erledigt wird“, erklärt die Queer Base-Aktivistin.


Die anerkannte und ausgezeichnete Arbeit von Queer Base ist ohne Spenden nicht möglich. Wer die Aktivistinnen und Aktivisten unterstützen möchte, findet auf http://friends.queerbase.at/spenden/ alle dazu notwendigen Informationen.