Burschenschaft macht mit Nazi-Bild Stimmung gegen Homosexuelle

Eines der Mitglieder der Burschenschaft "Leder" ist der derzeitige Obmann der freiheitlichen Studenten

Flyer der Burschenschaft Leder
VSStÖ/Facebook

Auf der Montanuniversität Leoben macht eine schlagende Burschenschaft mit dem Bild eines NS-Malers Propaganda gegen Homosexualität. Das hat die sozialdemokratische Studentenorganisation VSStÖ aufgedeckt.

Lesben und Schwule sind „sicher nicht“ eine Familie

So hat die schlagende „akademische Burschenschaft Leder“ am 10. Jänner auf der Montanuniversität Flyer verteilt, die auf der linken Seite eine Familie zeigen, mit dem Text „Das ist eine Familie“ – und auf der rechten Seite ein schwules Paar, offensichtlich bei einer Parade, mit dem Text „Das sicher nicht“. Darunter der Urheber: „Burschenschaft Leder – Deutsch, furchtlos und treu – seit 1886“.

Der Flyer ist aus zwei Gründen besonders bedenklich: Erstens, weil die Familienszene der Ausschnitt eines 1938 gemalten Bildes von Wolfgang Willrich ist – einem überzeugten Nationalsozialisten und seit 1934 förderndem SS-Mitglied. Wie der VSStÖ erklärt, veröffentlichte Willrich auch Hetzschriften zu „entarteter Kunst“, für Wikipedia ein „fanatischer Vertreter nationalsozialistischer Kunstpolitik“.

Auf der Rückseite des Flyers wehrt sich die schlagende Burschenschaft gegen die Öffnung der Ehe: „Ehe wem Ehe gebührt!“, heißt es da – und schwulen und lesbischen Paaren gebührt sie offenbar nicht. Die Beziehung zwischen Mann und Frau sei die einzige, aus der neues Leben entstehen könne: „Eine Verbindung, bei der es keine Möglichkeit auf neues Leben geben kann, als Ehe zu bezeichnen, ist ein perverser Etikettenschwindel!“, so die Verfasser des Flugblatts.

Obmann der Freiheitlichen Studenten ist Mitglied der Burschenschaft, die den Flyer verteilt hat

Der zweite Grund, warum der Flyer bedenklich ist: Eines der Mitglieder der Burschenschaft ist Lukas Feichtenschlager, seit November 2017 Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS). Die Studentenorganisation einer Regierungspartei verteilt also einen Flyer, auf dem ein NS-Propagandabild zu sehen ist. „Die Burschenschaft beweist damit einmal mehr wo sie steht: jenseits des rechten Randes“, so der VSStÖ auf Facebook.

„Damit äußern Studierende ihre Meinung zu einem tagesaktuellen politischen Thema, und dies ist rein rechtlich gesehen nicht verboten“, erklärt Pressesprecher Erhard Skupa gegenüber GGG.at die zunächst zögerliche Haltung des Rektorats zum Flyer. „Dass es sich bei einem der dabei verwendeten Bilder um eine Zeichnung des Nationalsozialisten Wolfgang Willrich handelt, war für den Laien auf den ersten Blick nicht erkennbar“, so der Pressesprecher.

Montanuniversität Leoben distanziert sich vom Flyer und prüft Konsequenzen

Mittlerweile distanziere sich die Montanuniversität „offiziell von der Verwendung derartigen Bildmaterials“, ergänzt Skupa. Ob sich das auch auf den homophoben Inhalt bezieht, bleibt offen. Allerdings lasse die Universität derzeit prüfen, ob damit geltendes österreichisches Recht verletzt wurde.

„Für mich ist der Flyer geschmacklos. Die Montanuniversität ist ein weltoffener Ort, an dem Studierende aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen gemeinsam lernen. Gerade hier ist eine solche Aktion deplatziert“, distanziert sich auch Joachim Haller, Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) an der Montanuniversität, gegenüber GGG.at von der Aktion der Burschenschaft.

Auch für die ÖH ist der Flyer „geschmacklos“ – doch vom RFS gibt es keinen Kommentar

Man müsse „in Anbetracht von Österreichs Geschichte“ mit allen Dingen, „die nationalsozialistische Inhalte berühren, besonders sensibel umgehen“, so Haller weiter. Die ÖH distanziere sich „ausdrücklich“ von der Aktion, es seien keine Mitglieder der akademischen Burschenschaft Leder in Gremien oder Organisationseinheiten der ÖH Leoben tätig.

Keinen Kommentar zu den Aktivitäten der Burschenschaft seines Bundesobmannes gibt es unterdessen vom RFS: Eine Anfrage des Online-Magazins Vice blieb unbeantwortet.