Irischer Premier Leo Varadkar mit Mann als Kanzler-Gäste beim Opernball

Kanzler Kurz gab heute bekannt, wen er in die Kanzlerloge einlädt

Leo Varadkar
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Bundeskanzler Sebastian Kurz setzt bei seinem ersten Opernball ein deutliches Zeichen: Zu den Gästen in der Kanzlerloge gehören auch der offen schwule irische Premierminister Leo Varadkar und sein Partner Matthew Barrett.

Als Gesundheitsminister outete sich Varadkar vor drei Jahren

Varadkar war Gesundheitsminister, als er sich im Jänner 2015 an seinem 36. Geburtstag im Radio geoutet hat. Damit war er der erste offen schwule Minister in der Geschichte Irlands. „Ich bin ein schwuler Mann, das ist kein Geheimnis, aber nichts, das jeder notwendigerweise weiß – aber es ist nichts, worüber ich zuvor öffentlich gesprochen habe“, sagte er ein einer Sendung des irischen Rundfunkt RTÈ.

Seine Homosexualität sei aber nichts, worüber er sich als Politiker definiere – genauso wenig wie über seine halbindische Abstammung oder seinen Beruf als Arzt. „Es ist nur ein Teil von dem, was ich bin, es definiert mich nicht, es ist ein Teil meines Charakters, vermute ich“, so Varadkar.

Die Reaktionen der Iren auf das öffentliche Coming Out waren überwiegend positiv. Noch während des Live-Interviews riefen begeisterte Zuhörer beim Sender RTE an. Eltern bedankten sich, dass der Mut Varadkars ihren schwulen Kindern helfe.

Als Premierminister steht Varadkar für ein modernes und vielfältiges Irland

Seit Mitte Juni ist der 39-Jährige Taoiseach, wie der Premierminister in Irland genannt wird. Zuvor hat er eine parteiinterne Abstimmung um den Vorsitz seiner Partei Fine Gael gewonnen. Diese gehört wie die ÖVP der Europäischen Volkspartei (EVP) an.

Der scheidende Premierminister Enda Kenny lobte damals seinen Nachfolger: Er würde ein „modernes, vielfältiges und inklusives Irland“ repräsentieren, ein Irland, „in dem jeder Mensch sein Potential ausschöpfen und seine Träume leben kann.“

Dass Varadkar Taoiseach geworden ist, zeigt die Weiterentwicklung der Grünen Insel in gesellschaftlichen Fragen. Homosexualität war in dem streng katholischen Land noch bis 1993 illegal – mittlerweile können schwule und lesbische Paare heiraten: Nach einer Volksabstimmung im Jahr 2015 hat das irische Parlament, der Dáil, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Zu den weiteren Gästen in der Kanzlerloge gehören die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie sowie der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer. Dirie, ein ehemaliges Model somalischer Herkunft, hat sich vor allem als Menschenenrechtsaktivistin einen Namen gemacht. Sie kämpft seit Jahren gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und jungen Frauen. Aktuellen Zahlen der UNICEF zufolge sind davon 200 Millionen Frauen betroffen