Ulm: Zehn Jahre Haft für 16-Jährigen nach Mord an schwulem Mann

Der 64-Jährige lernte den Jugendlichen in der Nähe des Hauptbahnhofs kennen

Justitia
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In Ulm hat das Landgericht einen 16-Jährigen in einem nicht rechtskräftigen Urteil zu zehn Jahre Jugendstrafe wegen Mordes verurteilt. Das berichtet der SWR. Der Jugendliche hatte gestanden, einen 64-Jährigen erstochen zu haben, der ihn zu sich nach Hause eingeladen hatte und Sex von ihm wollte. Einen homophoben Tatgrund bestritt der Minderjährige.

Der Bursche bat den Mann „um etwas zu trinken, zu rauchen und um einen Schlafplatz“

Das Opfer hat den damals 15-Jährigen im Mai in einem Lokal in der Nähe des Hauptbahnhofs von Ulm kennengelernt. Der obdachlose Bursche soll dabei den Mann „um etwas zu trinken, zu rauchen und um einen Schlafplatz“ gebeten haben. Daraufhin soll er den Burschen in seine Wohnung mitgenommen haben.

In der Wohnung soll der ältere Mann den 15-Jährigen „einmalig und ohne Nachdruck“ aufgefordert haben, ihm ins Schlafzimmer zu folgen, um dort miteinander Sex zu haben. Der Jugendliche soll zum Schein zugestimmt haben, aber aus der Küche ein Messer geholt haben.

Als die Klinge des Messers abbrach, holte er zwei weitere Messer

Ohne Vorwarnung soll er auf den wehrlosen Mann eingestochen haben. Als das Messer abgebrochen war, holte er zwei weitere Messer und stach erneut auf den 64-Jährigen ein. Dieser starb schließlich nach qualvollen Stunden an dem Blutverlust, während sich der Täter sauber machte.

Danach durchsuchte der Bursche die Wohnung nach Wertgegenständen. Dabei fand er unter anderem Bargeld und eine Digitalkamera. Um seine Spuren zu vernichten, soll der damals 15-Jährige das Sofa und Kleidungsstücke des Opfers, die er zu einem Stapel zusammengehäuft hatte, angezündet haben – obwohl sich in dem Mehrparteienhaus noch sechs andere Personen aufhielten. Dann verließ er die Wohnung.

Die Staatsanwältin ging zunächst von Mord aus Homophobie aus

Die Staatsanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass der Jugendliche den 64-Jährigen aus Schwulenhass ermordet und ausgeraubt hatte: Auslöser für den Mord sei die Aufforderung des Opfers zu sexuellen Handlungen gewesen. Darüber sei der Täter so verärgert gewesen, dass er gewalttätig wurde.

Später rückte die Staatsanwältin von dieser Begründung für das Verbrechen ab: Das Gericht habe keinen Hinweis erkennen können, dass der Täter aus „genereller Abneigung und Verachtung von Homosexuellen“, wie von der Staatsanwaltschaft zunächst gemutmaßt, gehandelt habe.

Das Gericht verurteilte den 16-Jährigen wegen Mordes, schwerer Brandstiftung, sowie versuchten Mordes in mehreren Fällen, weil das von dem Jugendlichen gelegte Feuer auch auf andere Wohnungen hätte übergreifen können. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem geforderten Strafmaß der Staatsanwältin. Ob die Verteidigung in Revision geht, ist noch nicht klar. Sie forderte sieben Jahre Haft wegen Totschlags. Das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.