Weil er getanzt und gesungen hat: Schwuler Mann in U-Bahn-Station verprügelt

Wieder ein homophober Zwischenfall in Berlin: Zivilpolizisten konnten den mutmaßlichen Täter fassen

Polizei Berlin
Symbolbild

In der Nacht auf Sonntag ist in Berlin ein 28-Jähriger verprügelt worden, weil er einer Gruppe Männer zu schwul vorkam. Das berichtet die Berliner Polizei in einer Pressemitteilung. Die Beamten konnten den Schläger fassen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Mann tanzte und sang, als ihn eine Gruppe junger Männer anpöbelte

Die Tat ereignete sich gegen 0.30 Uhr in der U-Bahn-Station Hermannplatz im Berliner Bezirk Neukölln. Der 28-Jährige tanzte und sang ausgelassen ohne große Hintergedanken in der Station, als eine Gruppe junger Männer auf ihn zukam.

Sie erklärten ihm sinngemäß „in einem kurzen Wortgefecht“ – so die Polizeimeldung zu dem Vorfall – dass sie sich durch sein extravagantes Auftreten gestört fühlten. Und bei Worten blieb es nicht. Die Gruppe schubste und bedrängte den jungen Mann Einer aus der Gruppe schlug ihn schließlich mehrere Male mit der Faust gegen den Kopf.

Der 28-Jährige konnte flüchten – doch einer der Männer verfolgte ihn weiter

Der 28-Jährige konnte flüchten – allerdings folgte ihm einer der Männer. Zivilpolizisten wurden auf die Situation aufmerksam und nahmen den mutmaßlichen Schläger fest. Der alkoholisierte 21-Jährige kam zur Blutentnahme auf eine Gefangenensammelstelle, die er anschließend wieder verlassen konnte.

Der Angegriffene erlitt Verletzungen im Gesicht. Diese konnten durch die Besatzung eines Rettungswagens ambulant behandelt werden. Als Grund für den Angriff nannte der 28-Jährige bei der Polizei seine Homosexualität.

Bis zu neun von zehn Übergriffen gegen LGBT werden nicht angezeigt

Als einzige Exekutive einer deutschen Großstadt geht die Berliner Polizei proaktiv mit Meldungen über Verbrechen gegen sexuelle Minderheiten in die Öffentlichkeit. So auch vor etwa zwei Wochen, als ein 26-jähriger Schwuler in Berlin-Gesundbrunnen wegen seiner Homosexualität von einer Gruppe junger Männer verprügelt und bestohlen wurde.

Für LGBT, die zum Opfer von Verbrechen wurden, gibt es in Berlin außerdem eigene Ansprechpartner bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Die Dunkelziffer jener Vorfälle, die nicht angezeigt werden, liegt den Schätzungen der Staatsanwaltschaft zufolge allerdings bei bis zu 90 Prozent.