Segnung für homosexuelle Paare: Kardinal Marx rudert zurück

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sieht sich falsch verstanden

Reinhard Marx
Wolfgang Roucka/Erzbischöfliches Ordinariat München - CC BY-SA 3.0

In der Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der römisch-katholischen Kirche macht Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wieder einen Rückzieher.

Drei Wochen nach einem Interview relativiert Marx seine Aussagen

In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) hat Marx  Anfang Februar angedeutet, die Kirche könnte im Einzelfall auch schwule und lesbische Paare segnen. Priester müssten die Situation der einzelnen Menschen ernst nehmen und sie seelsorglich begleiten, der und Erzbischof von München und Freising: „Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben“, sagte Marx im Hinblick auf homosexuelle Paare: „Ich sehe da eigentlich keine Probleme.“

Dieser Zuspruch bedeute keine Segnung im kirchlichen Sinn, erklärt Marx nun am Montag zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt. Er sei falsch interpretiert worden: „Es geht nicht um das Finden von Segnungsmöglichkeiten“, betonte der Münchner Erzbischof. Er habe nicht von Segnung gesprochen, obwohl er vielfach so wiedergegeben wurde. Stattdessen gehe es darum, „dass die Kirche auch diesen Menschen zugewandt ist“.

Segnung schwuler und lesbischer Paare ist ein Streitthema in der katholischen Kirche

Eine Segnung schwuler und lesbischer Paare werde in Ingolstadt nicht diskutiert, weil es noch nicht ausreichend vorbereitet sei. Allerdings betonte Marx, dass es eine seelsorgerische Begleitung gleichgeschlechtlicher Beziehungen geben solle, falls die Betroffenen dies wünschten. Es sei klar, dass es auch in homosexuellen Partnerschaften viel Gutes gebe, so Marx. Gleichzeitig betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Ehe eine „Verbindung von Mann und Frau“ sei, die die Möglichkeit enthalte, Leben zu zeugen.

Zuvor hatte sich bereits Marx‘ Stellvertreter in der Bischofskonferenz, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, in einem Interview für eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen. Man müsse sich fragen, „wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil auch in der Kirche engagieren“, so Bode: „Wie begleiten wir sie pastoral und liturgisch? Wie werden wir ihnen gerecht?“ Er betonte ebenfalls, dass diese nicht mit einer Trauung zu verwechseln sein dürfe.

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, die größte Laienorganisation der Kirche, hatte schon im Mai 2015 gefordert, „Brücken zwischen der Lehre der Kirche zu Ehe und Familie und der heutigen Lebenswelt der Gläubigen“ zu bauen, u.a. „durch (…) eine Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, neuer Partnerschaften Geschiedener und für wichtige Weichenstellungen im Familienleben“.