Freier ausgeraubt und erpresst: 14 Festnahmen in Wien

Familienclans aus der Slowakei machten den Schweizergarten unsicher

Polizei (Österreich)
JouWatch/flickr - CC BY-SA 2.0

Ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität im Umfeld der Schwulenszene ist dem Landeskriminalamt Wien gelungen. Eine aus zwei bis drei Familienbanden bestehende kriminelle Organisation soll schwule Männer bedroht und ausgeraubt haben. Insgesamt 14 Verdächtige konnten festgenommen werden, 19 Straftaten geklärt werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Ermittlungen begannen, nachdem ein 78-Jähriger zu Hause überfallen wurde

Ins Rollen brachte den Fall ein Einbruch im Mai 2017: Ein 78-Jähriger wurde in seiner Wohnung in Wien-Landstraße im Schlaf von drei Männern überfallen. Dazu entfernten die Täter die Platte einer Holztüre. Sie weckten den schlafenden Pensionisten und forderten Geld. Der Mann wurde bei dem Übergriff nicht verletzt. Mit geringer Beute traten die Männer die Flucht an.

Im Zuge der Ermittlungen konnte ein 22-Jähriger Slowake ausgeforscht und im Juni 2017 in seiner Heimat festgenommen werden. Der junge Mann hinterließ Fingerabdrücke am Tatort. Er war bereits zuvor in der Stricherszene beim Schweizergarten aufgefallen, wo es zu dieser Zeit zu einer Anhäufung von Straftaten gekommen war. Offenbar wurden die Opfer dort ausgekundschaftet.

Die Kunden der Stricher wurden ausgekundschaftet und ausgeraubt

Die Polizei konnte durch ihre Ermittlungen feststellen, dass in diesem Bereich eine Organisation aus zwei bis drei Familienbanden tätig war, wobei immer andere Mitglieder in Erscheinung traten. Den Lebensunterhalt finanzierte sich die Gruppe nach Informationen der Polizei mit schwuler Prostitution und Eigentumsdelikten – auch in Kombination miteinander.

Die Opfer waren oft die Kunden der Bandenmitglieder. Dabei handelte es sich um Männer zwischen 45 und 80 Jahren, denen die Verdächtigen auch drohten, sie zu outen oder ihre Existenzen zu zerstören. Dementsprechend schwierig gestalteten sich auch die Ermittlungen. Oft wurde keine Anzeige erstattet, oder bei der Anzeige wurden falsche Angaben gemacht.

Falsche Scham und Decknamen erschwerten die Ermittlungen

Erst nach einigen vertraulichen Gesprächen schafften es die Beamten des Landeskriminalamtes, immer neue Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Informationen mussten sie wie ein Puzzle zusammensetzen, wobei die Ermittlungen durch die Verwendung von Szenenamen erschwert wurden.

Erst nach aufwändiger Ermittlungsarbeit konnten die richtigen Namen der mutmaßlichen Täter ausgeforscht werden und mit den Straftaten in Verbindung gebracht werden. Dabei konnten insgesamt 19 Straftaten geklärt werden. Neben dem Einbruch bei dem 78-Jährigen überfiel die Bande auch einen 66-Jährigen, der sechs Wochen lang im Koma lag und seitdem ein Pflegefall ist.

Sechzehn Verdächtige konnten bis jetzt ausgeforscht werden

Außer diesen beiden schweren Raubüberfällen werden der Bande außerdem Diebstähle, Einbruchsdiebstähle, Hehlerei, Erpressung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Bei ihren Streifzügen haben die Slowaken insgesamt 5.500 Euro Beute gemacht.

14 Täter konnten bereits festgenommen werden. Einige von ihnen befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Zwei weitere Verdächtige werden mit einem Europäischen Haftbefehl gesucht. Ob es noch weitere mutmaßliche Täter oder nicht angezeigte Straftaten gibt, ist unklar.