Schwuler „Big Brother“ Kandidat von Mitbewohnern bedroht, beleidigt und geschlagen

Diskriminierung zur besten Sendezeit: Schwere Vorwürfe gegen RTL Kroatien und die Produktionsfirma

Matija Stainer
RTL Kroatien

Homophobie-Skandal in Kroatien: Ein offen schwuler Teilnehmer der dortigen „Big Brother“-Variante wurde von anderen Teilnehmern im Haus beschimpft und körperlich angegriffen. Doch auf Sendung war davon nichts zu sehen – und für die betroffenen anderen Teilnehmer gibt es auch keine Konsequenzen.

Im Live-Interview erzählte er, was in der Sendung nicht zu sehen war

Am Sonntag musste Matija Štainer das „Big Brother“-Haus verlassen. Und beim anschließenden Live-Interview sprach er Klartext: So erklärte der offen schwule Teilnehmer, dass er während der Show von einem anderen Bewohner körperlich angegriffen wurde – was in den TV-Zusammenfassungen nicht zu sehen war.

Den Produzenten der Reality-TV-Sendung warf er vor, auf diese Vorfälle nicht reagiert zu haben. So durfte der Angreifer im Haus bleiben, die Firma „hat keine sichtbare Reaktion gezeigt“, so Štainer. „Big Brother“ ist beim kroatischen Ableger der deutsch-luxemburgischen Sendergruppe RTL zu sehen, produziert wird die Sendung wie auch in anderen Ländern von der niederländischen Firma Endemol Shine.

Von anderen Kandidaten wurde Matija Štainer gemobbt und bedroht, weil er schwul ist

Zusätzlich zu den körperlichen Angriffen eines Teilnehmers wurde er von einigen anderen Mitbewerbern wegen seiner Homosexualität beschimpft und gemobbt. Das begann schon beim Einzug, als ein anderer „Big Brother“-Kandidat ihn mit den Worten „Man kann deutlich sehen, dass er gern was drinnen hat“.

Ein anderer Teilnehmer bezeichnete ihn mit „pederčina“, auf Deutsch etwa „kleine Schwuchtel“. Ein anderer Kandidat sagte ihm, sein Gesicht sei „feminin“. All das wurde zur besten Sendezeit im kroatischen Fernsehen gesendet – und teilweise auch noch in die Trailer zur Sendung eingebaut. Ein anderer Teilnehmer drohte dem offen schwulen Bewohner sogar offen: „Wenn du rausgehst, solltest du auf dich aufpassen“, sagte er ihm. Auch diese Drohung war Teil der Sendung.

Für die anderen Kandidaten hatten die homophoben Aussetzer keine Folgen

Štainer erzählte in dem Live-Interview auch von einem anderen Vorfall im „Big Brother“-Haus: Er musste sich abgetrennt von den anderen Bewohnern anhören, wie diese über sexuelle Minderheiten dachten. Einer gestand freimütig, er würde „solche Leute am totprügeln“, worauf die anderen johlten und lachten. Das war dann aber auch dem Sender zu heftig: Die Produktionsfirma wies die Teilnehmer an, die Konversation etwas milder zu wiederholen. Konsequenzen für die Aussagen gab es keine.

Unter den Zusehern von „Big Brother“ sorgten die von Matija Štainer vorgebrachten Anschuldigungen für heftige Diskussionen. „Ist es wirklich möglich, dass die Kroaten ein so engstirniges und homophobes Volk sind? Ich bin Kroatin und schäme mich für solche Leute“, schrieb eine Zuseherin.

Auch, wenn sich die Rechte sexueller Minderheiten in Kroatien in den letzten Jahren weiterentwickelt haben – homophobe Vorbehalte, Diskriminierung und Gewalt sind noch immer alltäglich. So haben im Dezember 2013 in eine Volksabstimmung fast 65 Prozent dafür gestimmt, dass die Ehe in der Verfassung als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert wird. Eine Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare gibt es in Kroatien seit 2014.