Partei zu homophob: Schwuler CSU-Bürgermeister wechselt zur SPD

Simon Giegerich rückte die eigene Partei in den letzten Jahren zu weit nach rechts

Simon Giegerich
CSU

Weil ihm seine eigene Partei zu homophob geworden ist, ist der Zweite Bürgermeister der Stadt Obernburg am Main von der CSU zur SPD gewechselt. Das berichtet das Main-Echo. In seiner neuen politischen Heimat begrüßt man das neue Mitglied mit offenen Armen.

Fast zwanzig Jahre lang war Simon Giegerich Mitglied der CSU. Dass die Partei gegen die rechtliche Gleichstellung von Lebenspartnerschaften war, ist für den offen schwulen 39-Jährigen ein großes Problem – genauso wie die Aussage, dass die CSU den rechten Rand abdecken müsse.

„Meine politische Meinung hat sich geändert“

Aus der Partei ist Giegerich, der in einer Lebenspartnerschaft lebt, deshalb schon im Dezember 2016 ausgetreten. Nun hat er auch die CSU-Fraktion im Obernburger Stadtrat verlassen. „Meine politische Meinung hat sich geändert“, erklärt Giegerich dem Main-Echo.

In der letztwöchigen Stadtratssitzung habe er das Gremium bereits über den Fraktionswechsel informiert. Sein Amt als Zweiter Bürgermeister von Obernburg will Simon Giegerich aber weiter ausüben. In dieses Amt wurde er 2014 mit 19 Stimmen bei einer Enthaltung gewählt, die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Der Bürgermeister kann den Schritt seines Stellvertreters verstehen

Der Erste Bürgermeister der Kleinstadt, Dietmar Fieger von der CSU, bedauert den Schritt seines Stellvertreters. „Er hat es begründet und ich kann es nachvollziehen“, sagt er der Lokalzeitung. CSU-Fraktionsvorsitzender Christopher Jany hofft, dass Fieger und Giegerich auch weiterhin gut zusammenarbeiten.

Zur Entscheidung gratuliert hat Simon Giegerich unterdessen Isabell Zacharias, queerpolitische Sprecherin der SPD im Bayerischen Landtag. „Wir haben im Bund die Ehe für Homosexuelle durchgesetzt – gegen den heftigen Widerstand der CSU. Das ist moderne Gesellschaftspolitik. Ich heiße Simon Giegerich herzlich willkommen bei uns“, erklärt sie in einer ersten Stellungnahme.