Kindesmissbrauch: Anhörung gegen Vatikan-Kardinal wird fortgesetzt

In vier Wochen sollte über eine Anklage gegen den ehemaligen Vatikan-Finanzchef George Pell entschieden werden

George Pell
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Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, der australische Kardinal George Pell, muss sich in Melbourne weiterhin wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten. Gestern wurden die gerichtlichen Anhörungen zu dem Fall fortgesetzt. Ob es zu einem Prozess gegen den 76-Jährigen kommt, ist weiterhin ungewiss.

Seit Ende Juli werden Zeugen zu dem Fall gehört

Pell ist bis jetzt der ranghöchste katholische Geistliche, gegen den weltliche Gerichte ermitteln. Als Finanzchef war er die Nummer drei des Kirchenstaates. Im letzten Juni ließ er sich vom Papst in dieser Funktion beurlauben, er bestreitet alle Vorwürfe gegen ihn. Eine kircheninterne Untersuchungskommission hatte ihn 2002 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf freigesprochen, als junger Priester einen Mann in einem Zeltlager sexuell missbraucht zu haben.

Die Anhörung dazu hatte Ende Juli begonnen und wurde am Montag nach sechs Monaten Pause wieder aufgenommen. Ob die Anhörung in einen Gerichtsprozess mündet, ist unklar. Auch Pell selbst muss vor Gericht aussagen. Die Vorwürfe gegen Pell betreffen seine Zeit als Priester in der Gemeinde Ballarat und als Erzbischof von Melbourne und sollen bis in die späten 1970-er Jahre zurückreichen.

Nach dem Ende der Anhörung soll über eine Anklage gegen George Pell entschieden werden

Die Anhörung soll noch vier Wochen dauern. Zu Beginn warf Pells Anwalt der Polizei vor, die Ermittlungen voreingenommen zu führen. Es werden etwa 50 Zeugen erwartet. Die meisten von ihnen sollen hinter verschlossenen Türen befragt werden. Am Ende entscheidet eine Untersuchungsrichterin, ob die Beweise gegen Pell für eine Anklage ausreichen.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen im März 2016, als Damian Dignan in einem Interview Missbrauchsvorwürfe gegen den hochrangigen Geistlichen öffentlich machte. Dignan wurde einer der Hauptzeugen – doch vor kurzem starb er an den Folgen seiner Krebserkrankung. Die Staatsanwaltschaft musste daraufhin eine der Klagen gegen George Pell zurückziehen.

Die Bergbaustadt Ballarat nahe Melbourne ist Epizentrum des australischen Missbrauchsskandals. 139 Menschen hatten vor der staatlichen Missbrauchskommission berichtet, als Kinder zwischen 1980 und 2015 sexuell missbraucht worden zu sein. Von den 21 mutmaßlichen Tätern waren 17 Priester. George Pell hat die Gemeinde von 1976 bis 1980 geleitet.