Keine schwule Romanze beim Filmfestival in Peking

„Call Me By Your Name“ wurde von der Liste des Beijing International Film Festival gestrichen

Call Me By Your Name
Sony Pictures

Einen Oscar und zahlreiche weitere Nominierungen für Preise in der ganzen Welt – die schwule Romanze „Call Me By Your Name“ ist einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Doch beim Filmfestival in Peking wird der in Norditalien spielende Film nicht zu sehen sein – ein weiteres Zeichen dafür, dass konservative Kräfte in China immer stärker die Oberhand gewinnen.

Warum der Film in China nicht gezeigt wird, bleibt ein Geheimnis

„Call Me By Your Name“ wird nicht wie ursprünglich geplant beim Beijing International Film Festival im April zu sehen sein. Das hat die Produktionsfirma Sony Pictures Entertainment jetzt ohne Angabe von Gründen bekanntgegeben hat. Auch von den Veranstaltern des Festivals gab es bis jetzt keinen Kommentar zur Streichung des oscargekrönten Films.

Dahinter dürften aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in China stecken: Zwar ist Homosexualität in China nicht illegal, allerdings beklagen Aktivisten konservative Tendenzen in der Gesellschaft, die immer stärker werden. „Es gibt keine klare politische Haltung zu dem Thema – es bleibt für uns also immer schwer einzuschätzen“, erklärt Xin Ying vom LGBT-Zentrum in Peking.

Die Behörden versuchen, Zeichen schwulen und lesbischen Lebens zu unterbinden

Bis 1997 war Homosexualität in China als „Rowdytum“ verboten. Erst danach wurde sie straffrei gestellt, bis 2001 noch als psychische Krankheit gesehen. Bis heute ist sie ein Tabuthema. Die Behörden versuchen oft, Zeichen schwulen und lesbischen Lebens in der Öffentlichkeit zu unterbinden. So musste im vergangenen Juli etwa in Chengdu eine große LGBT-Konferenz abgesagt werden, nachdem der Veranstaltungsort die Reservierung zurückgezogen hatte – vermutlich unter Druck von Offiziellen.

Im April 2011 stürmte die Polizei eine Schwulenbar in Shanghai und nahm etwa sechzig chinesischen Besucher fest. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie in der Bar „pornografische“ Shows mit Tänzern gesehen haben. Ein Jahr zuvor untersagten die Behörden in letzter Minute den ersten „Mr. Gay“-Wettbewerb. Im September desselben Jahres wurden in Peking achtzig schwule Cruiser verhaftet. Bevor sie freigelassen wurden, wurden erkennungsdienstlich erfasst, ein Zeuge berichtet auch, dass sie eine Blutprobe abgeben mussten.

Auch die lesbische Dating-App Rela wurde im Mai verboten. Besonders bedenklich: Der  chinesische Technologie-Gigant Kunlun Group Ltd. hat Ende Dezember die schwule Dating-App Grindr gekauft. Nun hat auch die Regierung in Peking Zugang zu sämtlichen Daten der App. Nach chinesischem Recht kann die Regierung aus Gründen der „öffentlichen Sicherheit“ jederzeit alle Daten anfordern, die chinesische Firmen sammeln – auch private Details der User.