Pakistan hat seine erste Transgender-Nachrichtenmoderatorin

Marvia Malik schreibt Fernsehgeschichte - und gibt Transgender-Personen neuen Mut

Marvia Malik
Kohenoor News

Die 21-jährige Nachrichtenmoderatorin Marvia Malik hat am Freitag mit ihrer ersten Live-Sendung in Pakistan Fernsehgeschichte geschrieben: Zum ersten Mal hat in dem islamisch dominierten Land eine Trans-Frau die Nachrichten moderiert. Sie arbeitet für den privaten Sender Kohenoor News aus Lahore.

„Sie hat den Job bekommen, weil sie die Geeignetste dafür ist“

Als sie erfahren hat, dass sie die Stelle bekommen hatte, sei sie zu Tränen gerührt gewesen, erinnert sich Malik gegenüber der britischen BBC. „Ich will allen in meinem Land beweisen, dass Trans-Menschen jede Arbeit tun können, die sie sich wünschen, und dass wir viel mehr als Objekte der Belustigung sind“, sagte sie dem britischen Sender.

„Sie hat den Job bekommen, weil sie die Geeignetste dafür ist“, erklärt ihr Chef Bilal Ashraf. Er habe beim Bewerbungsgespräch nicht einmal gemerkt, dass die 21-Jährige eine Transfrau sei, sagte er dem Nachrichtensender CNN. Er bestätigte, dass Kohenoor News bestrebt sei, Minderheiten eine Chance zu geben: „Jeder hat Träume, und es ist sehr schade, wenn Talente wegen gesellschaftlichen Vorurteilen unentdeckt bleiben.“

Nicht jede Transgender-Person in Pakistan hat die Chance auf ein normales Leben

Für Marvia Malik war es ein weiter Weg bis zur ersten Trans-Nachrichtensprecherin Pakistans. Schon als Kind merkte sie, dass sie im falschen Körper steckte. Ihre Familie wollte davon nichts wissen und warf sie mit 15 Jahren auf die Straße. Die junge Frau kämpfte sich mit Model-Jobs durch, schaffte schließlich den Eintritt an der Universität Punjab. Dort machte sie ihren Abschluss in Kommunikationswissenschaften.

Eine solche Karriere ist für Transgender-Personen in Pakistan alles andere als selbstverständlich. Die meisten von ihnen sind gezwungen, sich zu prostituieren oder betteln zu gehen, andere singen oder tanzen für wenig Geld auf Hochzeiten oder Volksfesten.

„Ich möchte ein Vorbild für junge Generationen sein“

Ihre Familie muss in Zeiten von Facebook von der Karriere der 21-Jährigen erfahren haben, ist Malik überzeugt. „Doch sie wollen weiterhin nichts mit mir zu tun haben“, erklärt sie einer pakistanischen Zeitung. Stattdessen habe sie Freunde, die immer für sie da sind.

Und die 21-Jährige hat eine Aufgabe: „Ich möchte ein Vorbild für junge Generationen sein. Trans-Teenager sollen zu mir aufschauen und wissen, dass man sie so akzeptiert, wie sie sind“, sagt sie der Express Tribune.