Niederlande: Gesundheitsrat empfiehlt Einführung der PrEP

Mit einem Preis von 50 Euro pro Monat spart der Staat Geld, verglichen mit den Kosten für eine lebenslange HIV-Therapie

Symbolbild: PrEP
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Der niederländische Gesundheitsrat hat die Einführung der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) für Männer, die Sex mit Männern haben und ein hohes HIV-Risiko haben, empfohlen. Die Zahl der HIV-Infektionen lasse sich so effektiv senken, ist das unabhängige Beratergremium überzeugt.

Trotz aller Maßnahmen bleibt die Zahl der HIV-Neuinfektionen auf hohem Niveau stabil

In der am Dienstag veröffentlichten Empfehlung weist das Gremium Parlament und Regierung darauf hin, dass die Zahl der neuentdeckten HIV-Diagnosen in den Niederlanden trotz Kondomen, regelmäßigen Tests und frühem Behandlungsbeginn auf hohem Niveau stagniert. Jedes Jahr wird das Virus bei etwa 800 Menschen entdeckt, zwei Drittel davon sind Männer, die Sex mit Männern haben.

Diese Zahl ließe sich durch die PrEP samt guter medizinischer Begleitung weiter senken, ist der Gesundheitsrat der Niederlande überzeugt. Durch die PrEP können Menschen, die einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt sind, sich leichter schützen, weil keine Zustimmung des Partners nötig sei. Dabei komme es nicht darauf ab, ob die Pille zum Schutz vor einer Infektion täglich oder nur rund um Kontakte mit HIV-Risiko eingenommen werde.

Außerdem spare die PrEP mit derzeitigen Kosten von 40 bis 50 Euro pro Monat dem Gesundheitssystem sogar Geld: Die Kosten für Medikamente bei der lebenslangen Behandlung einer HIV-Infektion würden deutlich höher liegen. Australische Experten gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass die Behandlung eines HIV-Positiven insgesamt mehr als 600.000 Euro koste.

PrEP soll für Risikogruppen zugänglich gemacht werden, empfiehlt der Gesundheitsrat

Deshalb empfiehlt der Gesundheitsrat der Niederlande, die PrEP für schwule und bisexuelle Männer mit einem erhöhten HIV-Risiko zugänglich zu machen. Zusätzlich dazu sei eine gute medizinische Begleitung unerlässlich. Bei der Finanzierung sei auch eine Selbstbeteiligung der Betroffenen denkbar.

Unterstützung bekommt der Gesundheitsrat dabei von zahlreichen Organisationen der Community. In einem offenen Brief fordern unter anderem der niederländische Aids-Fonds, die LGBT-Organisation COC Nederland und die Vereinigung der niederländischen HIV-Ärzte den für die medizinische Versorgung zuständigen Gesundheitsminister Bruno Bruins auf, schnell allen Betroffenen einen bezahlbaren Zugang zur PrEP zu verschaffen.