Belgien gewährt fünf schwulen Tschetschenen Asyl

„Ich hörte ihre Geschichten über Inhaftierung, tagelange Folter und Ablehnung“, so der zuständige Staatssekretär

Brüssel: Grande Place
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Während in Österreich schwule Tschetschenen, die aus Angst vor staatlicher Verfolgung, Folter und Mord ihre Heimat verlassen haben, einen negativen Asylbescheid erhalten, nimmt nun auch Belgien einige Betroffene auf. Das berichten mehrere belgische Medien.

Demnach hat Belgien  wegen der Verfolgung von Homosexuellen in der Kaukasusrepublik fünf schwulen Tschetschenen ein humanitäres Visum ausgestellt. „Damit ist Belgien eines der ersten Länder, das in diesem Dossier wirklich etwas Konkretes unternimmt“, erklärt Theo Francken, der zuständige Staatssekretär für Asyl und Migration.

Der Staatssekretär hatte Kontakt mit Hilfsorganisationen, die Botschaft prüfte die Anträge gewissenhaft

Im Gegensatz zu österreichischen Spitzenpolitikern hatte Francken im Vorfeld Kontakt mit Organisationen, wie dem LGBT-Network, die sich für Schwule und Lesben in Tschetschenien einsetzen. „Ich hörte ihre Geschichten über Erniedrigung, Inhaftierung, tagelange Folter und Ablehnung“, berichtet er belgischen Medien.

Die Erteilung der Visa auf Grundlage von gewissenhaft geprüften Akten „erfolgte in Absprache mit dem Außenminister Didier Reynders über unsere Botschaft in Moskau“, so der Staatssekretär.

Mehr als 200 Männer, Frauen und Trans-Personen dürften in Geheimgefängnissen eingesperrt worden sein

Neben Belgien haben auch Kanada, Frankreich, Deutschland oder Litauen schwulen Männer aus Tschetschenien Asyl gegeben. Deren Leben ist wegen ihrer sexuellen Orientierung bedroht: Der autokratisch regierende Präsident Ramsan Kadyrow bestreitet, dass es in der Kaukasusreublik überhaupt Homosexuelle gebe.

Informationen des russischen LGBT-Network zufolge dürften seit Anfang Juni 2017 mehr als 200 mutmaßlich schwule Männer in tschetschenischen Geheimgefängnissen eingesperrt gewesen sein. Neuesten Informationen zufolge sind auch lesbische Frauen und Trans-Personen von Verfolgung und Folter bedroht. Der Kopf hinter der Aktion dürfte nach Recherchen von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Magomed Daudov, Sprecher des tschetschenischen Parlaments sein.

Einige der Verschleppten haben die Torturen nicht überlebt oder sollen ihren Familien übergeben worden sein – mit einer Empfehlung, die Verwandten zu töten. Auch der bekannte Popsänger Zelimkhan Bakayev soll unter den Opfern des Regimes sein. Er soll nur zehn Stunden, nachdem er von Moskau kommend in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gelandet ist, umgebracht worden sein.