SVP will wissen, wie viele LGBT-Flüchtlinge es in Zürich gibt

Die Rechtspopulisten wollen damit beweisen, dass (heterosexuelle) Flüchtlinge intolerant sind

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In der Schweiz interessiert sich die rechtspopulistische SVP für das Schicksal von LGBT-Flüchtlingen – allerdings wohl vor allem, um damit ihre Vorurteile gegen alle anderen Flüchtlinge bestätigen zu können.

Eine Tabelle der LGBT-Flüchtlinge der letzten fünf Jahre

So verlangten in Zürich zwei SVP-Gemeinderäte vom Stadtrat eine Auskunft darüber, wie viele LGBT-Flüchtlinge es in Zürich gebe, „aufgeschlüsselt nach deren sexuellen Orientierung“ und des Herkunftslandes, jeweils für die letzten fünf Jahre. Außerdem sollten auch die Gründe angegeben werden, warum diese getrennt von anderen Flüchtlingen untergebracht werden.

Die seperate Unterbringung wird von einer Mehrheit des Zürcher Gemeinderates unterstützt, ein entsprechender Antrag der Sozialdemokraten wurde letzten Herbst angenommen. Nun möchte die SVP durch ihre Anfrage wissen, „ob es überhaupt solche Asylsuchenden in der Stadt Zürich gibt“. Die getrennte Unterbringung ist für die beiden SVP-Stadträte auch ein Zeichen dafür, dass unter Flüchtlingen Intoleranz gegenüber der westlichen Lebensart verbreitet sei. Die teurere Unterbringung in eigenen Unterkünften sei „ein Versagen“ der Integrationsbemühungen.

Nicht nur Flüchtlinge mobben LGBT-Personen, erinnert der Zürcher Stadtrat

Doch das lässt der Stadtrat von Zürich nicht gelten. Er weist darauf hin, dass das Mobbing von LGBT-Personen kein spezifisches Problem im Asylbereich sei. Täter sollten aber auf jeden Fall zur Rechenschaft gezogen werden, die Opfer den Schutz bekommen, den sie brauchen. „Für Betroffene kann es im Einzelfall deshalb angezeigt sein, eine besondere Wohnlösung zu ermöglichen“, heißt es im Stadtrat als Antwort auf die Anfrage.

Mit der Zahl der LGBT-Flüchtlinge in Zürich tut sich der Stadtrat da schon etwas schwerer. Denn diese wird nicht erhoben. Wenn Flüchtlinge ihre sexuelle Orientierung als Asylgrund angeben, bekommt die Stadt das nicht mit – weil sie am Asylverfahren nicht beteiligt ist. Auch die Asylorganisation Zürich (AOZ) erhebt keine Zahlen, denn die sexuelle Orientierung spiele für die Unterstützungsleistung keine Rolle, so der Stadtrat.

Die einzige Zahl, die es gibt, stammt aus einer AOZ-Umfrage unter Sozialarbeitern. Sie wussten im Herbst 2017 von 17 LGBT-Flüchtlingen. Es sei aber „nicht auszuschließen, dass die tatsächliche Zahl höher liegt“ – was bei tausenden Asylsuchenden auch wahrscheinlich ist. Eine tabellarische Aufstellung für die SVP-Abgeordneten gab es aber trotzdem nicht.