Bounty Killer in Wien: Auftritt des Hass-Sängers zeigt „Offenheit und Vielschichtigkeit“

Der Geschäftsführer der Konzert-Location sieht keine Probleme mit dem Auftritt

Bounty Killer
Stefan Klauke - CC BY-SA 2.0

In einer Woche soll der Reggae-Sänger Bounty Killer im Wiener „Reigen“ spielen. Weil er in einigen seiner früheren Texte zur Ermordung von Lesben und Schwulen aufruft, sind seine Konzerte umstritten. Und auch, wenn er diese Texte in Europa nicht mehr singt – Geld verdient der Sänger damit immer noch, mit jedem verkauften Album und jedem Stream.

In London, Belgien und auch in Berlin wurden die Konzerte deshalb schon abgesagt. Doch in Wien sehen weder Veranstalter noch der Geschäftsführer der Location einen Grund, das Konzert zu überdenken. Die HOSI Wien hat deshalb eine Demonstration angekündigt – was die Verantwortlichen wenig beeindruckt.

Frühere Konzerte umstrittener Künstler seien „friedlich und ohne Hassbotschaften“ abgelaufen

So erklärt Wolfgang Windbacher, Geschäftsführer des „Reigen“, in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem ORF Wien, bei Konzerten würden keinerlei Hassbotschaften geduldet. Die Programmgestaltung zeige „Offenheit und Vielschichtigkeit“. Das gelte auch für Veranstalter, die sich wie bei Bounty Killer im Reigen einmieten.

Es habe auch bei früheren Konzerten im Vorfeld heftige Proteste gegeben, die sich dann als unbegründet herausgestellt hätten. Alle Konzerte seien „sehr friedlich und ohne Hassbotschaften abgelaufen“, betont Windbacher.

Bei der HOSI Wien bezweifelt man, dass auch die Förderer des „Reigen“ diese Meinung teilen. „Immerhin sind bekannte Marken wie Yamaha, Ottakringer, Bacardi, AKG und einige andere mit ihren Logos auf deren Website vertreten“, erklärt Lui Fidelsberger, die Obfrau der HOSI Wien: „So werden sie weder ihren Kundinnen und Kunden gerecht, noch ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, für die sie doch eine Fürsorgepflicht haben. Ein positives Bild entsteht so jedenfalls nicht“, ist sie überzeugt.

Veranstalter verteidigt die Homophobie auf Jamaika und distanziert sich von Homophobie

Auch der Veranstalter Bunfiresquad sieht keinen Grund zu handeln. In einem Schriftwechsel mit der HOSI Wien, der GGG.at vorliegt, erklärt er, dass Bounty Killer nicht wegen seiner „antigaysongs“ – so der Veranstalter – eingeladen wurde. Stattdessen wird versucht, Inhalte wie „Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt“ zu rechtfertigen.

Die homophobe Stimmung in Jamaika liege daran, dass Missionare und Sklavenhalter Schwarze „häufig zu homosexuellen Handlungen gezwungen“ hätten: „Wen wundert es da, das Homosexualität in einigen Kulturen in heutiger Zeit als ein kritisches Thema gilt“, so der Veranstalter.

Man distanziere sich von Homophobie und sorge dafür, dass es diese auf ihren Veranstaltungen nicht gebe, heißt es in der Stellungnahme gegenüber der HOSI Wien weiter. Es sei vertraglich festgehalten, dass er keine homophoben Texte vortragen werde.

Der HOSI Wien reichen diese Aussagen nicht

Doch das ist der HOSI Wien zu wenig, erklärt Moritz Yvon, der Obmann der HOSI Wien: „Es ist ja wohl das absolute Minimum, dass nicht auf offener Bühne zum Mord aufgerufen wird“, schüttelt er den Kopf. Und Fidelsberger ergänzt: „Würden sie denn auch Neonazis willkommen heißen, solange sie nur versprechen, keinen Hitlergruß zu zeigen?“

Die HOSI Wien wird deshalb am 3. Mai um 20.00 Uhr vor dem „Reigen“ gegen das Konzert von Bounty Killer demonstrieren.