Schweizer stirbt, weil Krankenversicherung HIV-Medikamente nicht zahlt

Nachdem sich der Mann die Beiträge nicht mehr leisten konnte, stellte die Versicherung ihre Leistungen einfach ein

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Es passierte mitten in Europa, im Jahr 2018: Obwohl es für die Behandlung von HIV hochwirksame Medikamente gibt, stirbt in der Schweiz ein Mann an den Folgen der Immunschwächekrankeit – weil sich die Krankenkasse geweigert hat, seine Medikamente zu bezahlen.

Der Mann konnte sich die Versicherung nicht mehr leisten, sie bezahlte seine HIV-Medikamente nicht

Wie die SonntagsZeitung berichtet, hatte der etwa 50-Jährige aus dem bei seiner Krankenkasse ÖKK Rückstände bei der Zahlung seiner Versicherungsbeiträge. In der Schweiz gibt es eine „Grundversicherung“, die auf einer amtlich festgelegten Einheitsprämie beruht, die durch Alter und Wohnort bestimmt wird. Und die können sich immer mehr Menschen nicht mehr leisten.

So auch der 50-jährige HIV-Positive: Der Mann landete wegen der Schulden bei der Krankenkasse auf einer Schwarzen Liste der säumigen Prämienzahler. Wer dort landet, bekommt von der Kasse nur mehr Notfallbehandlungen bezahlt – alle anderen Leistungen liegen auf Eis.

Trotz Warnung der Ärzte übernahm die Versicherung die Kosten nicht

Und dazu gehört auch die Übernahme der Kosten für HIV-Medikamente: Der Mann hatte bereits 2016 einen Antrag darauf bei der ÖKK gestellt – und der wurde abgelehnt. Es sei kein Notfall, so die Versicherung. Seine Ärzte warnten damals, dass die Nichtbehandlung tödlich enden könnte, doch auch davon ließ sich die ÖKK nicht beeindrucken.

Im Jahr 2017 ging es dem Mann rapide schlechter. Die Immunschwächekrankheit Aids war bei ihm bereits ausgebrochen, er litt an mehreren Begleiterkrankungen. Doch die ÖKK weigerte sich weiterhin, die dringend notwendigen Medikamente zu bezahlen. Schließlich musste er ins Kantonsspital Chur eingeliefert werden – doch es war zu spät: Der Mann starb Ende des Jahres.

Immer öfter übernehmen Aids-Hilfen die Behandlungkosten für Betroffene

Für Lisa Janisch, Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Graubünden, steht fest: „Der Tod dieses Menschen hängt auch damit zusammen, dass sein Name auf der schwarzen Liste stand.“ Und es ist kein Einzelfall: Wie Caroline Suter, Juristin der Aids Hilfe, der SonntagsZeitung berichtet, gebe es „acht bis zehn Fälle“ in den Kantonen Graubünden und Aargau, in denen die Krankenkasse säumigen Beitragszahlern die Bezahlung der lebensnotwendigen HIV-Medikamente verweigert. Oft springe dann eine lokale Aids-Hilfe kurzfristig ein und übernehme die Kosten von etwa 2.000 Franken, etwa 1.700 Euro, pro Monat.

Eine Beschwerde gegen die Weigerung, die Kosten zu übernehmen, hätte Suter zufolge gute Erfolgschancen. Allerdings würde das Verfahren so lange dauern, dass der Patient bis dahin „vermutlich nicht mehr leben“ würde. Die Krankenkasse sieht bei sich keine Schuld: „Wir dürfen vom Gesetz her nicht vergüten, wenn jemand auf der schwarzen Liste eines Kantons steht“ – außer es handle sich um einen Notfall, so die ÖKK in einer Stellungnahme.