HOSI Wien demonstriert heute gegen Bounty Killer

Unterstützung aus der Politik: "Dieser Hass hat bei uns absolut nichts verloren", so die Liste Pilz

Bounty Killer
Stefan Klauke - CC BY-SA 2.0

Heute tritt im Wiener „Reigen“ der jamaikanische Hass-Sänger Bounty Killer auf. In seinen Texten singt er unter anderem von „stinkende Schwuchteln und Parasiten“, für die ein Feuer entfacht wird. Auch zum Ertränken oder Auslöschen der „Schwuchteln“ durch einen Laserstrahl hat er in früheren Liedern aufgerufen. LGBT-Aktivisten demonstrieren deshalb vor dem Lokal gegen das Konzert – und auch von der Politik gibt es dafür Unterstützung.

Mit seinen Texten hat Bounty Killer eine Grenze überschritten, ist die HOSI Wien überzeugt

„Hier ist eine Grenze überschritten. Dieses Konzert gehört abgesagt, genauso wie schon vor zwei Wochen das in Berlin geplante“, fordert deshalb Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien. Bei Aufruf zum Mord könne von Kunst keine Rede mehr sein. „Die Beschwichtigungen, Bounty Killer würde diese Zeilen so eh nicht mehr singen, können wir nur als schlechten Scherz deuten. Es ist ja wohl das absolute Minimum, dass nicht auf offener Bühne zum Mord aufgerufen wird“, so der HOSI-Wien-Vorsitzende an die Veranstalter.

Das sehen Veranstalter und Manager der Location offenbar anders. So erklärt der Veranstalter, dass Bounty Killer nicht wegen seiner „antigaysongs“ eingeladen wurde, sondern wegen seiner Lieder „gegen die Unterdrückung der Schwarzen Menschen, die schon mehr als 400 Jahren funktioniert“.

Und auch der Geschäftsführer des „Reigen“ betont gegenüber dem ORF Wien in einer schriftlichen Stellungnahme, bei Konzerten würden keinerlei Hassbotschaften geduldet. Dass Bounty Killer auftrete, zeige die „Offenheit und Vielschichtigkeit“ des Programms.

Frauensprecherin der Liste Pilz unterstützt die Demonstration gegen das Konzert

Unterstützung für den Protest der HOSI Wien gibt es unter anderem von der Liste Pilz. „Dieser Hass hat bei uns absolut nichts verloren. Ich stelle mich an die Seite all jener, die dieser Hass-Sänger mit seinen Texten zu verunglimpfen versucht. Er wird uns nicht spalten. Ich bin entsetzt, dass es offenbar möglich ist, bei uns solche Auftritte zu organisieren – dem muss entschieden widersprochen werden“, so deren Frauensprecherin Maria Stern.

Es habe nichts mit der Freiheit der Kunst zu tun, „wenn Menschen vorsätzlich erniedrigt, entwertet und zur Schau gestellt werden. In seinen Texten spricht er unverhohlen Drohungen aus. Dieser Sänger versucht sich mit homophober Hetze über andere zu ermächtigen und überschreitet damit eindeutig eine Grenze“, so Stern weiter.

Grüne Andersrum wollen kein Konzert-Verbot, sondern einen Dialog

Die Sprecherin der Grünen Andersrum, Ewa Dziedzic, will Bounty Killer zusammen mit Vertretern anderer LGBT-Organisationen, zu einem runden Tisch einladen: „Ein Treffen kann ein Umdenken einleiten und Vorurteile abbauen“, sagt sie gegenüber der Wiener Zeitung. Dziedzic ist keine Freundin von Konzert-Verboten. „Bounty Killer ist eine Identifikationsfigur, eine klare Haltung wäre wirksam.“

Die Demonstration, die von der HOSI Wien organisiert wird, beginnt heute um 20.00 Uhr vor dem „Reigen“, wenn der Einlass für das Konzert beginnt. Das Lokal befindet sich direkt bei der U4-Station Hietzing.