Russische Webseite macht aus Schwulenjagd ein perverses Game

Für umgerechnet 2,60 Euro bekommen Interessierte eine Liste mit Namen von Lesben und Schwulen, die sie jagen können

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Screenshot "Saw"

Die Jagd auf Schwule, Lesben und Transgender in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien hat auch unbekannte Täter in anderen Teilen des Landes inspiriert: So ist in Russland eine Webseite online gegangen, auf der LGBT-Personen gemeldet und dann gejagt werden sollen. Wer nicht auf der schwarzen Liste dieser Seite stehen will, muss zahlen.

Das Ziel der perfiden Seite: Ein „Comeback von Tschetschenien“

Die Seite nennt sich „Saw“ und ist offenbar von dem Horror-Thriller aus dem Jahr 2004 inspiriert. Ihr Ziel: Ein „Comeback von Tschetschenien“, nach den Verschleppungen und Folterungen in der Kaukasusrepublik. Sie richtet sich derzeit vor allem an die Bewohner der Region Ufa im Südosten Russlands. Das perfide „Spiel“ soll von 1.-31. Mai stattfinden.

User sollen Menschen, die sie für lesbisch, schwul, bisexuell oder Transgender halten, auf der Seite melden. Aus den Daten wollen die Betreiber der Seite dann ein „Spiel“ schaffen, in dem die Zielpersonen gejagt werden.

Wer nicht gejagt werden möchte, muss umgerechnet 20 Euro zahlen

Besonders perfide: Die Betreiber der Seite machen mit dieser Menschenjagd auch noch Geld. Für den Zugang zu den Daten der potenziellen Opfer muss man eine Gebühr von 200 Rubel, umgerechnet knapp 2,60 Euro, zahlen Wer als Opfer dieser Jagd seinen Namen von der Seite gelöscht haben will, muss 1500 Rubel, das sind etwa 20 Euro, zahlen.

Wie die Seite Gay Star News berichtet, sollen sich mindestens drei Männer beim russischen LGBT-Network gemeldet und von gewalttätigen Angriffen berichtet haben, seit die Seite online gegangen ist. Es wird allerdings von weiteren Opfern ausgegangen – in ganz Russland: Mindestens eines der Opfer war nicht aus der Region Ufa, sondern aus dem benachbarten Samara.

Für LGBT-Aktivisten der erste „organisierte Ansatz homophober Gewalt“

Für Mikhail Tumasov, Vorsitzender des russischen LGBT-Network, ist das Spiel „erschreckend“. Etwas Ähnliches habe er noch nie gesehen. „Das Töten und Quälen von Schwulen nennen sie ein Spiel“, sagt er. Was besonders Angst mache, sei der erstmals „organisierte Ansatz homophober Gewalt“.

Und auch, wenn die Seite mittlerweile von den russischen Behörden gesperrt wurde – in Sozialen Medien leben die Inhalte weiter. Tumasov fürchtet, dass es schon bald in ganz Russland Angriffe nach diesem System geben könnte: „Ich bin mir sicher, das wird sich schnell ausbreiten. Was uns Angst macht, ist, dass das eine Struktur hat, ein System.“

Gewalt gegen sexuelle Minderheiten breitet sich in Russland derzeit rasant aus: Wie eine Studie des Center for Independent Social Research im Sommer bestätigt hat, hat sich die Zahl schwerer Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten, darunter vor allem Morde, nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen „Homo-Propaganda“ im Jahr 2013 verdoppelt.