Weniger Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten in Deutschland

Kriminalstatistik zeigt spürbaren Rückgang von gewalttätigen Verbrechen gegen sexuelle Minderheiten - hat aber ihre Schwächen

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

In Deutschland ist die Zahl der Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung im letzten Jahr zurückgegangen. Allerdings gibt es erhebliche Schwächen bei der bundesweiten Zählung solcher Taten.

Die Zahlen, die bei der heutigen Veröffentlichung der bundesweiten Kriminalstatistik genannt wurden, geben eigentlich Grund zur Hoffnung. Denn: „Deutschland ist sicherer geworden, gleichwohl gibt es keinen Anlass zur Entwarnung“, erklärte der deutsche Innenminister Horst Seehofer von der CSU bei der Präsentation der Zahlen.

Weniger Straftaten „gegen die sexuelle Orientierung“ landeten in der Kriminalstatistik

Und so wie auch die Kriminalität im Ganzen ist in Deutschland zurückgegangen ist, gibt es auch weniger Straftaten „gegen die sexuelle Orientierung“, wie die entsprechende Kategorie in der Statistik heißt. Sie umfasst alle gegen Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle motivierte Straftaten.

So wurden im Jahr 2017 insgesamt 313 Vorfälle gegen die sexuelle Orientierung erfasst. Davon waren 74 Gewalttaten, dazu zählen beispielsweise Mord, Vergewaltigung, Raub oder schwere Körperverletzungen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das um neun Prozent weniger Gewalttaten und um ein Prozent weniger Vorfälle insgesamt.

99 Fälle von Hasskriminalität wurden rechten Tätern zugeordnet

Allerdings wurden der Statistik zufolge sexuelle Minderheiten öfter zur Zielscheibe rechter Täter: 99 Fälle von Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung wurden Tätern aus dem rechten Spektrum zugeordnet, das sind 13 mehr als 2016. Die Zahl der Gewaltdelikte nahm auch hier ab, von neun im vergangenen Zeitraum auf vier.

Zwei gewaltfreie Hassdelikte gegen sexuelle Minderheiten wurden von den Behörden dem linken Spektrum zugeordnet. Zum ersten Mal wurden auch ausländische und religiöse Ideologien als eigene Merkmale bei den Tätern aufgeführt. Ausländische Ideologien waren demnach für 14 Delikte, davon fünf Gewalttaten verantwortlich. Aus religiösen Gründen wurden neun Hassverbrechen verübt, wovon zwei gewaltsam waren.

Bei den meisten Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten kennt die Polizei die Motive nicht

Bei 189 Verbrechen, darunter 62 Gewalttaten, konnte die Polizei allerdings keinen ideologischen Hintergrund zuordnen. Das ist ein Großteil der Taten. Bei keinem anderen Merkmal hatten es deutsche Polizisten schwerer, die Hintergründe des Hassverbrechen zuzuordnen.

Allerdings hat die Kriminalstatistik in diesem Punkt auch andere Schwächen – denn innerhalb der einzelnen Bundesländer gibt es offenbar unterschiedliche Kriterien, ab wann ein Übergriff als Hassverbrechen gegen die sexuelle Orientierung zu werten ist.

So meldete die Polizei von Nordrhein-Westfalen, dem einwohnerstärksten Bundesland Deutschlands, von 2007 bis 2016 nur einen einzigen LGBT-feindlichen Raubüberfall, während Berlin alleine im letzten Jahr 161 Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten verzeichnete.