Jede Woche zwei Hassverbrechen in der Schweiz

Schweizer LGBT-Organisationen haben Hassverbrechen gezählt - und fordern die Politik auf, jetzt zu handeln

Schweiz Regenbogen
Eyvind Solstad/Flickr - CC BY 2.0

Hassdelikte gegen sexuelle Minderheit werden in der Schweiz – wie auch in Österreich – von der Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst. Das will eine breite Koalition von LGBT-Organisationen nun ändern. Und sie hat aufgezeigt, wie wichtig diese Zählung von Hassverbrechen wäre.

Mehr als ein Jahr lang wurden gemeldete Hassverbrechen gezählt

Im Rahmen des Projekt „Hate Crime“ haben die Organisationen, darunter die Lesbenorganisation LOS, die Schwulenorganisation Pink Cross, das Transgender Network Switzerland oder Pink Cop, mehr als ein Jahr land Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten erfasst. Die traurige Bilanz: Zwischen November 2016 und Dezember 2017 wurden 95 entsprechende Vorfälle erfasst, die Dunkelziffer dürfe höher sein. Das entspricht fast zwei Hassverbrechen gegen LGBT in der Schweiz pro Woche.

Ein Großteil der Meldungen betraf Beschimpfungen und Beleidigungen. Doch auch die Zahl der körperlichen Übergriffe – von Schubsen bis zu Schlagen und Treten – war mit fast einem Drittel der gemeldeten Vorfälle erschreckend hoch. Den vorliegenden Daten zufolge sind besonders Transpersonen von Hassdelikten besonders betroffen. Bei der Polizei angezeigt wurden übrigens nur 18 der 95 Vorfälle. Die hohe Zahl der registrierten Vorfälle zeige, dass politischer Handlungsbedarf besteht, so die LGBT-Organisationen.

Der Bund will Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten nicht zählen

Nationalrätin Rosmarie Quadranti von der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) hat deshalb schon im September einen Antrag im Parlament eingebracht, nach dem Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität erfasst werden sollen. Denn derzeit werden diese Daten weder in den Kantonen noch im Bund erfasst.

Die enttäuschende Antwort der Schweizer Regierung: Es könne „weder bei der Erfassung noch bezüglich der Ergebnisse eine ausreichende Qualität gewährleistet werden“ – was  Quadranti nicht glaubt: „Diese Ausrede ist weit weg von glaubwürdig“, ärgert sie sich gegenüber der Boulevardzeitung Blick. Schließlich ginge es nur um ein Kreuz im Fragebogen. „Wenn das im Zeitalter der Digitalisierung immer noch zu aufwendig ist, haben wir ganz andere Probleme“, so die Nationalrätin.

LGBT-Organisationen fordern Erfassung der Taten – um dann handeln zu können

„Erst durch die Änderung entsprechender gesetzlicher Vorgaben hinsichtlich der Erfassung von homo-, bi- und transphob motivierten Delikten wird eine konsequente strafrechtliche Aufklärung dieser Taten möglich“, sind sich die Organisatoren der Initiative „Hate Crime“ sicher.

Die beteiligten LGBT-Organisationen der Schweiz fordern deshalb Maßnahmen vom Bund und den Kantonen, um solche Hassdelikte zu verhindern, erfassen, untersuchen, verfolgen und zu bestrafen sowie den Opfern Rechtsmittel und Entschädigung bereitzustellen.