Jens Spahn fühlt sich von der Kirche nicht respektiert

Der CDU-Poliriker kritisiert den Umgang der römisch-katholischen Kirche mit sexuellen Minderheiten

Jens Spahn
Stephan Baumann

Jens Spahn, offen schwuler Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland, kritisiert die römisch-katholische Kirche wegen ihrer Haltung zu Homosexualität. Gegenüber Christ & Welt, einer Beilage der Wochenzeitung Die Zeit, fordert der gläubige Katholik seine Kirche auf, ihre Haltung gegenüber Lesben und Schwulen zu überdenken.

Mit ihrer Position würde die Kirche viele Chancen vergeben, ist sich Spahn sicher

Er fühle sich von einer Kirche, „wenn sie mich verdammt für das, was ich bin“ nicht respektiert. Dabei würden viele Chancen vertan, erklärte Spahn. Als Beispiel nannte der CDU-Politiker die Weigerung der Kirche, homosexuelle Paare zu segnen. Mit dieser Praxis mache die Kirche „so viel kaputt“, ist der 37-Jährige überzeugt.

Spahn sagte, er könne als schwuler Mann und Katholik mit jenem Teil der römisch-katholischen Lehre, die Homosexuelle zur Keuschheit aufruft, wenig anfangen. „Weil ich überzeugt bin, dass Gott mich so nimmt, wie ich bin. Weil mein Glaube so selbstverständlich zu mir gehört wie mein Schwulsein“, erklärte der Katholik.

Jens Spahn wird dem konservativen Flügel innerhalb der CDU zugerechnet. Seine Positionen rund um seine Homosexualität sind unter LGBT-Aktivisten umstritten. So warf der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) dem CDU-Politiker letztes Jahr eine „Instrumentalisierung der Themen Homo- und Transphobie“ vor: Er würde den Eindruck erwecken, „dass nur Muslime Homosexuelle diskriminieren würden“, so der LSVD.

Die Debatte um Segnungen für homosexuelle Paare ist im Gang

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche ist die Frage, ob schwule und lesbische Paare gesegnet werden können, umstritten. So hatte Anfang des Jahres Franz-Josef Bode, der Bischof von Osnabrück und stellvertretende Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, angeregt, über eine solche Segnung nachzudenken. Der Vorsitzende der Konferenz, Kardinal Reinhard Marx, erteilte solchen Diskussionen aber eine Absage.

Außerhalb Deutschlands forderte zuletzt Jozef Kardinal De Kesel, der katholische Erzbischof von Mechelen-Brüssel, eine Neupositionierung der Kirche im Umgang mit sexuellen Minderheiten. „Die katholische Kirche muss Schwule und Lesben mehr respektieren, auch in ihrer Erfahrung von Sexualität“, sagte der 70-Jährige bei einem Termin mit LGBT-Aktivisten. Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hielt er kirchenrechtlich aber für problematisch. Er kann sich allerdings stattdessen Dank-oder Gebetsfeiern vorstellen.