Schweiz: Hassverbrechen gegen LGBT sollen in die Kriminalstatistik

Nun fordern auch die Pink Cops eine Anpassung - der Bund stellt weiter auf stur

Flagge der Schweiz
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Gut zwei Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten gibt es pro Woche in der Schweiz. Das ist die Bilanz einer Hotline, die LGBT-Organisationen eingerichtet haben. Doch in der offiziellen Kriminalstatistik des Landes tauchen diese Zahlen nicht auf, kritisieren die LGBT-Polizisten der Pink Cops.

80 Prozent der Übergriffe, die den LGBT-Gruppen gemeldet wurden, schafften es nicht zur Polizei

Mehr als ein Jahr lang konnten Betroffene entsprechende Übergriffe melden. Insgesamt wurden 95 Fälle erfasst, die meisten von ihnen Beschimpfungen und Beleidigungen. Bei einem Drittel der Fälle war auch körperliche Gewalt im Spiel. Besonders betroffen von den Übergriffen waren Trans-Personen: Auf sie entfiel fast ein Fünftel der Fälle. Und mehr als 80 Prozent der Übergriffe wurden der Polizei nicht gemeldet.

Für Petrik Thomann, den Vize-Präsidenten der Pink Cops, hat das verschiedene Gründe: „Manche haben einfach eine dicke Haut und keine Lust, den Rechtsweg zu beschreiten, oder sie wollen das Geschehene verdrängen“, erklärt er der Schweizer Tageszeitung 20 Minuten. Auch das Klischee des Macho-Polizisten, der sie nicht ernst nehme, dürfte noch in so manchen Kopf herumschwirren. Doch das sei längst überholt, betont der Exekutivbeamte.

Alles wird in der Schweiz statistisch erfasst.- nur keine Hassverbrechen gegen LGBT

Als Konsequenz aus der Hotline fordern die Schweizer LGBT-Organisationen, unter ihnen auch die Pink Cops, dass Hassdelikte gegen sexuelle Minderheiten in der Kriminalstatistik gesondert ausgewiesen werden. „Heute wird alles statistisch vermessen“, erklärt Thomann. So wisse man zwar die genaue Anzahl der Schweine in der Schweiz, bei der Anzahl der Hassverbrechen gegen LGBT fische man aber im Trüben. „Erst wenn wir das wahre Ausmass der Gewalt kennen, kann die Politik geeignete Massnahmen ergreifen“, ist sich der Vize-Chef der Pink Cops sicher.

Bereits im September hat deshalb Nationalrätin Rosmarie Quadranti von der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) einen Antrag im Parlament eingebracht, dem zufolge Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität erfasst werden sollen.

Die enttäuschende Antwort der Schweizer Regierung: Es könne „weder bei der Erfassung noch bezüglich der Ergebnisse eine ausreichende Qualität gewährleistet werden“ – was  Quadranti nicht glaubt: „Diese Ausrede ist weit weg von glaubwürdig“, ärgert sie sich gegenüber der Boulevardzeitung Blick. Schließlich ginge es nur um ein Kreuz im Fragebogen. „Wenn das im Zeitalter der Digitalisierung immer noch zu aufwendig ist, haben wir ganz andere Probleme“, so die Nationalrätin.