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Europa feiert: Gay-Pride-Paraden in Bukarest, Sofia, Rom oder Athen

Gegenproteste in Sofia, Besucherrekord in Bukarest, und ein Regenbogen-Parlament in Athen

Regenbogenflagge
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Am Wochenende haben in Europa die ersten größeren Pride-Paraden stattgefunden. So feierten sexuelle Minderheiten und ihre Freunde unter anderem in Litauen, Kroatien, Italien, Griechenland oder und Polen. In der rumänischen Hauptstadt fand die größte Parade seit Bestehen statt. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia gab es erstmals direkte Störversuche konservativer Gruppen.

Biszu 10.000 Besucher bei der Parade in der rumänischen Hauptstadt Bukarest

In Bukarest gingen nach Informationen der Deutschen Welle (DW) am Samstag fast 10.000 Menschen für LGBT-Rechte auf die Straße – so viele wie nie zuvor. Sie marschierten, von Gendarmen geschützt, gut sichtbar auf der Bukarester Prachtmeile „Calea Victoriei“. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Universitätsplatz statt. Ein großer Fortschritt – musste man die Veranstaltung im letzten Jahr doch noch in einem Park verstecken. „Die Gesellschaft akzeptiert dies, stärker als vor zehn Jahren, stärker als letztes Jahr. Es ist ein exponentieller Prozess“, freut sich die Soziologin Mihaela Biolan im Gespräch mit der DW.

An der Spitze des Zuges gingen der Rumäne Adrian Coman und sein US-amerikanischer Ehemann Clai Hamilton. Sie hatten am letzten Dienstag vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg Recht bekommen: Ihre 2010 in Belgien geschlossene Ehe muss in Rumänien anerkannt werden, wenn es um ein Aufenthaltsvisum für den US-Amerikaner geht.

In der rumänischen Community gelten die Beiden nun als Helden: Bei der Bukarest Pride wollten viele Teilnehmer ein Selfie mit Coman und Hamilton. „Letztendlich hatten wir 2012 Recht, als wir die Anerkennung unserer Rechte als Ehepartner von der rumänischen Regierung einforderten. Praktisch sind wir jetzt als Ehepartner hier in Bukarest“, so Coman am Rande der Parade gegenüber der DW.

Erstmals aggressive Gegenaktionen bei der Sofia Pride

In der bulgarischen Hauptstadt haben erstmals in der elfjährigen Geschichte der Sofia Pride Aktionen zum Schutz der traditionellen Ehe von Mann und Frau eine Gay-Pride-Parade begleitet. In einer Gegenaktion versammelten sich Eltern mit ihren Kindern vor dem Parlament in Sofia. Auf einem ihrer Transparente hieß es: „Für gesunde Werte, Familien und Gesellschaft“. Unterstützt wurden sie von der bulgarisch-orthodoxen Kirche.

Die Befürworter der traditionellen Ehe veranstalteten einen „Marsch für die Familie“ und zogen durch die Hauptstadt. Einige von ihnen trugen ihre Brautkleider oder Hochzeitsanzüge. Ähnliche Aktionen gab es auch in der zweitgrößten Stadt Plowdiw, in Warna am Schwarzen Meer, in der Donaustadt Russe und in Schumen im Nordosten, berichten bulgarische Medien.

Die Community demonstrierte unterdessen auf der Sofia Pride, dass auch in  Bulgarien die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet wird. Das scheint derzeit aber unrealistisch: Wegen ihrer Ablehnung weiter Teile der Bevölkerung, besonders in den ländlichen Gebieten, ist die Öffnung der Ehe in dem südosteuropäischen EU-Mitgliedsstaat derzeit nicht in Sicht.

In Athen wurde das Parlament zum ersten Mal in Regenbogenfarben angestrahlt

Auch in Athen gingen tausende Menschen auf die Straße. Unter dem Motto „Paroúsa“ („Ich bin präsent“) wurden „alle Formen der Weiblichkeit“ gefeiert. Angelehnt an die #MeToo-Debatte gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen richtete sich das Motto der Parade gegen Frauenhass.

Es war die 14. Gay-Pride-Parade in der griechischen Hauptstadt. Zum ersten Mal war auch die Fassade des Parlaments auf dem Syntagma-Platz in den Regenbogenfarben angestrahlt.

Tausende Besucher bei der Roma Pride – auch einige linke Spitzenpolitiker

In Rom versammelten sich ebenfalls tausende Schwule, Lesben und Transgender auf den Straßen der Ewigen Stadt. Unter diesen auch mehrere Spitzenpolitiker, darunter die ehemalige Außenministerin und frühere EU-Menschenrechtskommissarin Emma Bonino und der interimistische Chef der Sozialdemokraten (PD), Maurizio Martina.

Neben dem Marsch gab es bei der Roma Pride zahlreiche Konzerte, Feste, Modeschauen sowie öffentliche Debatten über HIV/Aids und Homophobie. Zuletzt hatten in unserem südlichen Nachbarland Äußerungen des neuen Familienministers Lorenzo Fontana von der rechtspopulistischen Lega für Empörung gesorgt. In einem Interview mit der Zeitung hatte er betont, homosexuelle Paare mit Kindern würden nach italienischem Recht nicht als Familien anerkannt.

Friedliche Paraden gab es unter anderem auch in Litauen, Kroatien oder und Polen. In Warschau demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Diskriminierung sexueller Minderheiten, aber auch von Frauen, anderen Minderheiten und Behinderten.