Warum die LGBT-Community über den russischen WM-Sieg jubelt

Mit jedem Tor ist die Begeisterung größer - und das hat einen bestimmten Grund...

LGBT-Spendenaktion zur Fußball-WM
Paddy Power

Auf der ganzen Welt jubeln Schwule und Lesben über den 5:0-Kantersieg der russischen Nationalmannschaft gegen Saudi-Arabien. Der Grund für die frische Liebe zu Russland bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Der irische Sportwetten-Anbieter „Paddy Power“ spendet für jedes russische Tor 10.000 britische Pfund an eine LGBT-Stiftung.

Nach dem ersten Match bekommt eine LGBT-Stiftung fast 60.000 Euro

Damit bekommt die britische Attitude-Stiftung, die vom gleichnamigen Magazin ins Leben gerufen wurde, bereits nach dem Auftakt-Match 50.000 Pfund, umgerechnet fast 57.000 Euro. Die Stiftung setzt sich gegen Homo- und Transphobie im Fußball ein, unterstützt Fußballer bei ihrem Coming Out, finanziert Programme an Schulen und Universitäten und versucht, Freizeitfußballvereine für sexuelle Minderheiten sicher zu machen.

Ein Teil der Summe soll auch an russische LGBT-Organisationen gehen. Diese wollte „Paddy Power“ nicht direkt unterstützen, weil sie dann vom russischen Staat als „ausländische Agenten“ gebrandmarkt und verfolgt werden könnten.

Für den Wettanbieter spielt Russland in einer „verdächtig leichten Gruppe“

Dass die Aktion teuer werden könnte, war dem Sportwettenanbieter schon im Vorfeld bewusst. Immerhin sei Russland eine „verdächtig leichte Gruppe“ zugelost worden. Deshalb hat man der Attitude-Stiftung eine Mindestspende von 50.000 Pfund versprochen – eine Summe, die schon nach dem Eröffnungsspiel erreicht wurde.

Zu den prominenten Unterstützern der Kampagne von „Paddy Power“ zählt Caitlyn Jenner. Der 68-jährige Transsexuellen-Ikone verriet, dass sie wegen der Aktion des Wettanbieters nun während der Fußball-WM auch zu Russland hält.

Aktivisten warnen Lesben und Schwule vor Ort: Vorsicht beim Online-Dating!

In Russland selbst ist die Lage für sexuelle Minderheiten nicht so rosig: Nachdem  das umstrittene Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verabschiedet wurde, hat sich die Zahl der Angriffe auf sexuelle Minderheiten verdoppelt.

LGBT-Organisationen warnen schwule Fans, sich öffentlich zu erkennen zu geben oder raten bei Dates zu Vorsicht: Schwulenhasser würden falsche Dates ausmachen, um ihre Opfer dann zu erniedrigen oder zu erpressen.

In St. Petersburg gab es vor dem ersten Anpfiff einen schwulenfeindlichen Angriff

Bereits vor dem Anpfiff des ersten Spiels wurde in St. Petersburg ein schwules Paar angegriffen, ausgeraubt und krankenhausreif geschlagen. Einer der beiden Männer erlitt ernsthafte Kopfverletzungen. Die mutmaßlichen Täter konnten verhaftet werden.

Ebenfalls gestern wurde in Moskau der britische LGBT-Aktivist Peter Tatchell vorübergehend festgenommen: Er hatte als einzelner Demonstrant auf den mangelnden Willen der russischen Behörden aufmerksam gemacht, die Verfolgung der LGBT-Community in Tschetschenien zu untersuchen.