Firmunterricht in Gastein: HOSI Salzburg fordert Änderung der Unterlagen

Der Pfarrer betont, dass er niemanden verletzen wollte - doch entschuldigt hat er sich nicht

Salzburg
GGG.at

Letzte Woche erregten die Unterlagen für den Firmunterricht in Gastein für Aufsehen: Dort wurde Homosexualität neben Mord als eine der vier „zum Himmel schreienede Sünden“ bezeichnet, in einem Atemzug mit Sex mit Kindern oder Tieren. Gegenüber dem ORF Salzburg hat der Pfarrer inzwischen zurückgerudert – doch das reicht nicht, meint die HOSI Salzburg.

Für den Bürgermeister war es „erschütternd, dass Kindern solche Unterlagen übermittelt werden“

„Es war irgendwie erschütternd, dass zwölfjährigen Kindern im Unterricht derartige Unterlagen übermittelt werden“, empört sich Gerhart Steinbauer, der Bürgermeister von Bad Gastein, auch gegenüber dem ORF Salzburg über den Inhalt der Pfarrunterlagen.

Es ärgert den Bürgermeister auch, dass er vom zuständigen Erzbischof Franz Lackner zunächst nur die Antwort bekommen hat, er solle die Sache direkt mit dem Priester besprechen – dieser sei „theologisch qualifiziert“.

Der Pfarrer wollte niemandem „auf die Füße steigen“, betont er

Der Pfarrer selbst kann die Aufregung nicht verstehen. Bei ihm habe sich niemand beschwert, betont Rainer Hangler gegenüber dem ORF Salzburg: „Das konnte ich nicht erwarten, dass da so etwas losgetreten wird, weil es ja absolut nicht in meiner Intention ist – ich will niemanden in irgendeine Ecke drängen, ich will niemandem etwas Böses unterstellen, ich will niemanden verletzten“, betont er.

Es sei „einfach eine Auflistung über die man dann spricht“ gewesen, erklärt Hangler. Sollte er jemanden verletzt haben, tue ihm das „zutiefst leid“, er wollte keiner Bevölkerungsgruppe „auf die Füße steigen“ oder sie diskriminieren. Explizit entschuldigen wollte er sich für die Gestaltung der Firmunterlagen in dem Interview aber nicht.

Die gefährliche Botschaft für Jugendliche bleibe erhalten, kritisiert die HOSI Salzburg

Eine Stellungnahme, die der HOSI Salzburg nicht reicht. Denn die Botschaft, dass Homosexualität eine Sünde sei, bliebe unkommentiert stehen. Das sei Gift für junge Lesben, Schwule und Bisexuelle, heißt es in einer Stellungnahme.

„Als ich mich als junge Frau erstmalig mit meinem Lesbisch-sein auseinandergesetzt habe, war es für mich nicht einfach, meine Sexualität mit meinem Glauben zu vereinbaren“, erklärt HOSI-Salzburg-Vorstandsmitglied Doris Posch. „Ich war in großem Zwiespalt. Einerseits wurde ich katholisch erzogen und mein Glaube war mir wichtig. Anderseits konnte ich meine Sexualität nicht leugnen oder unterdrücken.“

Die Unterlagen seien grob fahrlässig und können keine Grundlage für den Firmunterricht sein

Bei der HOSI Salzburg weiß man aus der täglichen Arbeit, dass junge Lesben, Schwule und Bisexuelle immer noch diese Erfahrung machen müssen. „Umso bedauerlicher ist es, wenn sie im Firmunterricht einen Zettel vorgelegt bekommen, auf dem Homosexualität mit Pädophilie vermischt und mit vorsätzlichem Mord gleichgesetzt wird. Das ist schädlich für Kinder und Jugendliche und darf keine Diskussionsgrundlage im Firmunterricht sein!“, betont Posch. Stattdessen solle es innerkirchliche Diskussionen über den Umgang mit Homosexualität und mit Homophobie in den eigenen Reihen geben.

Die HOSI Salzburg prüft eine Klage wegen Verhetzung gegen den Gasteiner Pfarrer. „In einem Firmunterricht im Jahr 2018 Homosexualität als eine der ‚Sünden, die zum Himmel schreien‘, zu bezeichnen, ist grob fahrlässig und führt zu massivem Leiden für homo- und bisexuelle Jugendliche. Jungen Menschen zu suggerieren, Homosexualität sei gleichzusetzen mit Mord, ist schlicht inakzeptabel“, so Gabriele Rothuber, Obfrau der HOSI Salzburg.