Peter Tatchell: Nach Protest in Moskau wieder sicher in London

Der LGBT-Aktivist hat zur Eröffnung der WM gegen Putins Untätigkeit in Tschetschenien protestiert

Protest von Peter Tatchell
Peter Tatchell/Twitter

Am Donnerstag wurde der britische LGBT-Aktivist Peter Tatchell in Moskau verhaftet, weil er auf einem öffentlichen Platz gegen die Folter von Homosexuellen in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien demonstriert hat. Nun konnte er Russland ohne Probleme wieder verlassen – anders sieht es allerdings bei denen aus, für die er sich in der russischen Hauptstadt eingesetzt hat.

Die Polizisten waren „hilfsbereit, freundlich und höflich“, sagt Tatchell

„Putin versäumt es, gegen die Folter von Schwulen in Tschetschenien vorzugehen“, stand auf dem Schild das Tatchell in der Nähe des Roten Platzes hochgehalten hat. Weil während der Fußball-WM auch Einzel-Demonstrationen in den Stadtzentren verboten sind, wurde der gebürtige Australier festgenommen, auf einer Polizeistation wurden seine Personalien aufgenommen.

Nach einer Stunde und vierzig Minuten wurde er wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Das ist in Russland in solchen Fällen so üblich. Gegenüber dem britischen LGBT-Portal Pink News sagte Tatchell, dass die Beamten bei der Festnahme zwar grob mit ihm umgegangen seien, der erfassende Polizeibeamte jedoch sehr hilfsbereit, freundlich und höflich war. „Ich nehme an, ich wurde deshalb gut behandelt, weil ich Brite bin und weil ein höherer Mitarbeiter der britischen Botschaft, Colin Wells, die Polizei kontaktiert hat.“

Peter Tatchell konnte ohne Probleme ausreisen, sein Fall wird nächste Woche vor Gericht verhandelt

Am 26. Juni findet nun vor einem Moskauer Gericht eine Verhandlung in dieser Sache statt – aber ohne Peter Tatchell. Der konnte nämlich ohne Probleme aus Russland ausreisen. Somit muss er den Gerichtstermin nicht persönlich wahrnehmen. Aus dem Flugzeug twittert Tatchell, dass er seine Ziele erreicht habe.

„Job erledigt. Auf Wiedersehen, Moskau. Kein Problem bei der Ausreise trotz meines vorgesehenen Gerichtstermins am 26. Juni. Es war mir eine Ehre, die heldenhaften russischen LGBT-Aktivisten von @rulgbtnet und @lgbtsportRussia zu unterstützen“, schrieb Tatchell in dem Sozialen Netzwerk aus einer Aeroflot-Maschine nach London.

Für sexuelle Minderheiten ist die Lage in Tschetschenien weiter lebensgefährlich

Denjenigen, denen Tatchells Protest gewidmet war, geht es allerdings nicht so gut: Seit die unabhängige russische Zeitung Nowaja Gaseta im April 2017 zum ersten Mal über die Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien berichtet hat, wurden zahlreiche weitere Details bekannt.

So sollen in den Geheimgefängnissen von Präsident Ramzan Kadyrow nun neben schwulen Männern auch lesbische Frauen und Trans-Frauen festgehalten und gefoltert werden – ohne Anklage oder Verurteilung. Die genaue Zahl der Verschleppten ist unklar: Bereits in ihrem ersten Artikel vor einem Jahr hatte die Nowaja Gaseta von mehr als hundert Betroffenen berichtet, das russische LGBT-Network hat unterdessen zumindest 114 Menschen bei der Flucht aus Tschetschenien geholfen. Wie viele der Verschleppten getötet wurden, ist unklar.

Mindestens 92 von ihnen sind aus Sicherheitsgründen bereits im Ausland. Sie befinden sich in Ländern wie Kanada, Frankreich, Litauen oder Deutschland in Sicherheit. Denn in Russland ist die Gefahr, dass Verwandte den Geflüchteten finden, zu groß. So wurden drei Personen, zu denen das LGBT-Network Kontakt hatte, von ihrer Familie entführt. Mindestens einer von ihnen soll mittlerweile tot sein. Österreich hat einem Betroffenen übrigens Asyl verweigert, weil er nach Einschätzung der heimischen Behörden in Moskau sicher wäre.