Zürich: LGBT-Aktivist wurde zu Zielscheibe einer Schwulenhasserin

Auf dem Heimweg wurde er am Sonntagabend mitten in der Stadt angegriffen

Pink Cross
Pink Cross

Ausgerechnet am Tag nach der Zurich Pride ist der Co-Präsident der Schweizer Schwulenvereinigung Pink Cross wegen seiner Homosexualität angegriffen worden. Das berichtet die Schweizer Boulevardzeitung Blick.

Nach dem WM-Match vollte der Co-Chef von Pink Cross nach Hause fahren

Michael Rudin
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Demnach schaute sich der 32-jährige Michael Rudin am Sonntag mit seinem Begleiter zunächst das WM-Spiel Schweiz gegen Brasilien an. Auf dem Heimweg warteten sie in der Züricher Langstraße auf den Bus – als sie ins Visier einer Unbekannten gerieten.

Die Frau trat ohne Vorwarnung an die beiden Männer heran: „Sie hat uns angeschrien, die ganze Stadt sei voller Schwuler und Gott wolle das nicht. Wir sollen uns verziehen oder endlich beginnen, mit Frauen zu schlafen“, erinnert sich Rudin gegenüber Blick.

Bei der Bushaltestelle beschimpfte eine Frau Rudin und seinen Begleiter

Dabei schrie die Frau so laut, dass sich ein zunächst unbeteiligter Passant gezwungen sah, die Frau zur Rede zu stellen. Daraufhin stellte sie ihre Schimpfattacken zunächst ein. Doch wenig später kehrte sie zurück und beschimpfte Rudin und seinen Begleiter erneut. Erst, als die beiden Männer in den Bus stiegen, konnten sie den Schimpftiraden der Unbekannten entkommen.

Der Co-Präsident von Pink Cross hat sich im Nachhinein kurz überlegt, Anzeige gegen die Frau zu erstatten: „Eigentlich hätte ich das sofort machen sollen, aber in so einem Moment ist man derart baff, dass man gar nicht daran denkt“, gibt er zu.

Eine Anzeige hätte keinen Effekt: Hassverbrechen werden in der Schweiz nicht registriert

Doch auch, wenn die Frau gefunden werden sollte, was eher unwahrscheinlich ist, hat sie nichts zu befürchten. „Auch wenn ich Anzeige erstatten würde, würde der Fall trotzdem nicht als homophobes Hassverbrechen erfasst. Denn so was gibt es in der Schweiz immer noch nicht“, erklärt Rudin.

Mehrere Schweizer LGBT-Initiativen haben sich allerdings vorgenommen, das zu ändern. Sie wollen gegen den Widerstand der Politik in der Schweiz eine Registrierung von Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung. Schließlich nahm eine eigens gestartete Meldestelle pro Woche durchschnittlich zwei solcher Delikte auf.