Diego Maradona: Schwulenfeindliche Beschimpfungen von der VIP-Tribüne

Diego Maradona
Screenshot: ORF

Er war für viele Menschen, denen Fußball wichtig ist, ein Held – doch mit seinem verstörenden Auftritt gestern bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sägt Diego Maradona weiter an seinem Ruf. Beim gestrigen Match seiner Heimatmannschaft Argentinien gegen Nigeria verwendete er unter anderem ein homophobes Schimpfwort, das den argentinischen Fußballverband (AFA) schon mehr als 90.000 Euro gekostet hat.

Diego Maradona tanzt, schläft und rastet auf der VIP-Tribüne aus

Maradona bekam auf der VIP-Tribüne des Stadions von St. Petersburg fast so viel Aufmerksamkeit wie die Mannschaften auf dem Feld: Als er vor dem Anpfiff er einen weiblichen Fan im Nigeria-Trikot erblickt, bittet er die Sicherheitskräfte, die Frau zu ihm durchzulassen. Vor seinem Sitzplatz führten beide einen spontanen Tanz auf.

Dann schlief er ein wenig – und beleidigte anschließend die Fans. Die „Hand Gottes“ zeigte ihnen den Mittelfinger und rief ihnen – in der Live-Übertragung deutlich sichtbar – „puto“ zu. Das spanische Wort kann mit „Schwuchtel“ oder „Stricher“ übersetzt werden und ist als Beschimpfung im lateinamerikanischen Fußball weit verbreitet.

Wenn es um homophobe Beleidigungen geht, versteht die FIFA bei dieser WM keinen Spaß

Doch der Weltfußballverband FIFA greift bei dieser WM hart durch, wenn Fans dieses Wort skandieren. So wurde der mexikanische Fußballverband (FEMEXFUT) zu einer Geldstrafe in der Höhe von umgerechnet 8.700 Euro verurteilt, weil die Fans beim Spiel gegen Deutschland den gegnerischen Torwart Manuel Neuer als „Schwuchtel“ und „Stricher“ beschimpften.

Und Argentinien wurde von der FIFA nach Ausschreitungen beim Match gegen Kroatien mit einer Strafe von etwa 91.000 Euro bedacht. Fans der südamerikanischen Mannschaft hatten letzte Woche Gegenstände aufs Spielfeld geworfen und die Gegner mit „puto“-Rufen beschimpft.

Fans von Diego Maradona sind enttäuscht – und er versteht nicht, warum

Dem entsprechend fordern nun auch viele Fans, dass die FIFA Maradonas „puto“-Ruf ahndet. „Ich war ein großer Fan von ihm. FIFA, bitte schau dir das an!“, fordert auf Twitter beispielsweise Userin Ola Jo.

Diego Maradona selbst scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein. Der 57-Jährige erklärte dem argentinischen Journalisten Daniel Arcucci, mit dem er eng befreundet ist, den Grund für den Ausraster: „Sie haben uns nur Weißwein serviert. Und wir haben den ganzen Weißwein getrunken. Die Leute erfinden einfach Dinge.“, gibt er sich unschuldig.

Doch der traurige Auftritt war kein Einzelfall bei dieser Weltmeisterschaft. Schon während der ersten beiden Spiele Argentiniens ist Diego Maradona auffällig geworden.