Istanbul Pride: Verboten, aber keine groben Zwischenfälle

Polizisten sperrten den Taksim-Platz und wollten Demonstranten abdrängen - doch die Wasserwerfer blieben im Hintergrund

Istanbul Pride 2018
Meşale Tolu

Mit einem Großaufgebot hat die türkische Polizei am Sonntagnachmittag zum vierten Mal in Folge versucht, die Gay-Pride-Parade in Istanbul zu verhindern. Lesben, Schwule und Bisexuelle wollten mit dem „Marsch des Stolzes“ auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal demonstrieren. Trotz eines offiziellen Verbots und massiver Polizeipräsenz versammelten sich zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten in der Nähe der Straße. Sie entfalteten eine riesige Regenbogenfahne und verlasen eine Erklärung.

Trotz eines Verbots und massiver Polizeipräsenz demonstrierte die Community

Mit der Demonstration wollten sexuelle Minderheiten und ihre Freunde den Abschluss der Pride-Woche begehen, die zum 26. Mal abgehalten wurde. Kurz vor 18.00 Uhr versammelten sich hunderte Menschen friedlich und wollten mit Gesängen des „Marsch des Stolzes“ feiern. Der ursprünglich geplante Ort, der Taksim-Platz, war von Beamten abgesperrt worden.

In der Erklärung, die vor Ort verlesen wurde, warfen sie dem Istanbuler Gouverneur, AKP-Politiker Vasip Şahin, Diskriminierung sexueller Minderheiten vor, weil er auch dieses Jahr wieder die Parade verboten hatte. „Der Gouverneur hat erneut ein Verbrechen begangen, indem er einen bestimmten Teil der Gesellschaft diskriminiert“, so die Aktivisten. Offizieller Grund für das Verbot seien „Sicherheitsbedenken“ gewesen.

Diese Begründung nannten die Aktivisten „komisch“. Die LGBT-Demonstranten skandierten auch Sprüche wie „Schulter an Schulter gegen den Faschismus!“ und „Wir gehorchen nicht, wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht!“

Der Polizeieinsatz war nicht so gewalttätig wie in den Jahren zuvor

Auch dieses Jahr kam es zu einem Polizeieinsatz bei der Istanbul Pride: Die Polizei blockierte Seitenstraßen mit Wasserwerfern, um das Verbot des Gouverneurs durchzusetzen. Die Beamten durchsuchten außerdem Passanten. Beamte in Westen versuchten zunächst friedlich, die Straße zu räumen, während sich die Demonstration in Richtung Innenstadt bewegte.

Augenzeugen beobachteten, wie es gegen eine Gruppe von rund 30 Demonstranten zum Einsatz von Tränengas und Plastikgeschossen kam. Auch gab es den Organisatoren zufolge insgesamt elf Festnahmen von Teilnehmern, eine Gruppe berichtet, von Polizeihunden angegriffen worden zu sein. Einen massiven Polizeieinsatz oder den Einsatz von Wasserwerfern wie in den letzten Jahren dürfte es dieses Mal allerdings nicht gegeben haben.

Seit vier Jahren wird der „Marsch des Stolzes“ von den Behörden in Istanbul verboten

Der „Marsch des Stolzes“ konnte zwölf Jahre lang ohne größere Probleme stattfinden, bevor sie vor vier Jahren im Zuge einer konservativeren Politik erstmals verboten wurde. In der Vergangenheit sei sie ein Raum gewesen, in dem sich Schwule, Lesben und Transsexuelle sicher fühlen konnten, so die Aktivisten.

Sie wehrten sich dagegen, dass man sie „in Grenzen halten und in Ghettos zwingen“ wolle, hieß es weiter. „Wir erinnern die ganze Gesellschaft daran, dass ohne uns der Kampf gegen das Einmannregime nicht erfolgreich sein wird.“