10.000 Teilnehmer bei der Budapest Pride – und Conchita

Rechtsextreme Störversuche scheiterten dank der Polizei - und Conchitas Stimme

Budapest Pride 2016
Wolfgang Fischer

Trotz widriger Umstände feierten die ungarische Community und ihre Freunde am Samstag eine farbenprächtige Budapest Pride. Einzelne Störaktionen rechtsextremer Gruppen blieben ohne Effekt. Höhepunkt der Abschlusskundgebung war ein Konzert der österreichischen Song-Contest-Gewinnerin Conchita.

Ein buntes Treiben durch die Budapester Innenstadt

Mehr als 10.000 Menschen zogen mit Regenbogenflaggen und Postern durch die Innenstadt der ungarischen Hauptstadt. Die Parade fand dieses Jahr bereits zum 23. Mal statt, zum ersten Mal marschierte die Community im Jahr 1997 durch die ungarische Hauptstadt. Verglichen mit den letzten Jahren ist das ein Teilnehmerrückgang: Vor zwei Jahren wurden ungefähr doppelt so viele Teilnehmer gezählt.

Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter von 34 Botschaften sowie einige große Firman. Weder die Stadtverwaltung von Budapest noch die ungarische Regierung waren bei der Parade vertreten.

Rechtsextreme versuchten erfolglos, die Parade aufzuhalten

Am Rand der friedlichen und bunten Budapest Pride versuchten einige Dutzend Rechtsextremisten, die Parade am Oktogon-Platz aufzuhalten. Etwa 30 Schwarzgekleidete Teilnehmer der verbotenen ultrarechten Jugendorganisation „64 Gespanschaften“ standen stumm mit Bannern am Platz und versuchten, den Marsch aufzuhalten.

Doch die Teilnehmer der Parade ließen sich nicht beirren: Sie wehten in der Nähe der Faschisten mit Regenbogenflaggen und versuchten, sie mit ihren mitgenommenen Musikinstrumenten abzulenken.

Um eine Konfrontation zu verhindern, positionierten sich Spezialeinheiten der ungarischen Polizei zwischen den Faschisten und den Paradenteilnehmern. Sie brachten die rechtsextremen Gegendemonstranten schnell weg, die Parade konnte so zügig weiterziehen.

Eine große Freiluft-Party als Höhepunkt der Budapest Pride

Eindrucksvoller Schluss- und Höhepunkt der Parade war die „Rainbow Party“ im Budapest Park, einem Freiluft-Gelände in der ungarischen Hauptstadt. Headline-Act war dabei Conchita, Österreichs Songcontest-Gewinner und leuchtendes Vorbild für viele Mitglieder der Community.

Für Conchita war es wichtig, bei der Budapest Pride aufzutreten. „Mir ist es sehr wichtig, heute hier zu sein. Die Rechte der LGBTIQ-Community sind hier noch nicht dort, wo sie sein sollten. Die Menschen, die bei der Pride mitgehen und am Rande von rechten Demonstranten angefeindet werden, beweisen großen Mut. Mit der Aufmerksamkeit für mich möchte ich ein Schlaglicht auf diese Situation werfen“, sagte sie den Zuhörern während ihres Auftritts.

Das Konkurrenz-Konzert einer rechtsextremen Band musste bei Conchita aufgeben

Und weil Conchita mit ihrem Auftritt ein deutlich sichtbares Zeichen setzte, protestierten auch im Budapest Park etwa 200 Rechtsextreme: Die Stadtverwaltung hatte etwa 50 Meter von der Bühne der Budapest Pride entfernt ein Konzert der Nazi-Band „Romantikus Eröszak“ (Romantische Gewalt) genehmigt – die versuchte, die Schlussveranstaltung mit ihrer Musikanlage zu stören.

Doch da hatten sie die Rechnung ohne Conchita gemacht. Als bei ihrem Auftritt der Krach der Nazi-Band dumpf im Hintergrund zu hören war, wandte sie sich nach dem ersten Lied an ihre Fans: „We are here to be out, to be loud, to be fucking proud!“, machte sie klar. Bald darauf strichen die Rechtsrocker die Segel.

Die Situation für sexuelle Minderheiten verschärft sich unter Ministerpräsident Viktor Orbán

Unter dem rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist auch die LGBT-Community immer deutlicheren Angriffen ausgesetzt. Nur wenige Tage vor der Budapest Pride erklärte die ungarische Familien-Staatssekretärin Katalin Novák, zu einer Familie gehörten „ein Mann und eine Frau, dafür reicht genau ein Mann und eine Frau“.

Und regierungsnahe Medien haben in den letzten Wochen eine Kampagne gegen das Musical „Billy Elliot“ geführt, das bereits seit zwei Jahren an der ungarischen Staatsoper aufgeführt wird. Das Musical, dessen Musik Sir Elton John geschrieben hat, erzählt die Geschichte eines Buben aus der Arbeiterklasse, der in der Zeit der Bergarbeiterstreiks Balletttänzer werden möchte.

Die Ministerpräsident Viktor Orbán nahestehende Tageszeitung Magyar Idők hat in einer Serie von Artikeln unter anderem behauptet, das Stück könne „ungarische Buben zu Homosexuellen machen“ und fördere einen „abweichenden Lebensstil“. In einem Artikel der Zeitung heißt es sogar: „Die Propagierung von Homosexualität kann kein nationales Ziel sein, wenn die Bevölkerung älter und kleiner wird und unser Land von einer Invasion bedroht wird.“