„Homosexualität heilbar“: TeenSTAR beklagt „vereinfachte Darstellungen“

Doch in der Sache widerspricht der christlich-konservative Verein den Erkenntnissen nicht

Screenshot: TeenSTAR
Screenshot: TeenSTAR

Vor einigen Tagen haben die Salzburger Nachrichten aufgedeckt, dass mit dem Verein TeenSTAR eine christlich-konservative Gruppe versucht, auch in Salzburg Fuß zu fassen. Nun meldet sich der Verein selbst zu Wort – und widerspricht den Vorwürfen nicht. Er sieht sich lediglich einseitig dargestellt.

„Auf diese Ebene lasse ich mich nicht ein“, erklärt die österreichische Chefin von TeenSTAR fast trotzig

Unter anderem sieht TeenSTAR Masturbation als „Fehlschritt auf dem Weg zu einer hingebenden, empfangenden Sexualität“. Homosexualität sei ein Identitätsproblem und eine „Verirrung“. Schwule unternähmen den vergeblichen Versuch, einen Mangel zu kompensieren, wird dort gelehrt. Die sexuelle Orientierung sei durch eine Kombination aus Therapie, Selbsthilfegruppen und Seelsorge veränderbar, ist man bei TeenSTAR überzeugt.

Gegenüber dem Online-Portal Salzburg 24 relativiert Helga Sebernik, Religionslehrerin aus Niederösterreich und Leiterin von TeenSTAR Österreich, diese Punkte in der Lehre der Gruppe. „Das sind sehr vereinfachte Darstellungen vom Verein TeenSTAR. Das entbehrt einer größeren Diskussion. Auf diese Ebene lasse ich mich nicht ein“, erklärt Sebernik leicht verschnupft.

Die Fakten werden nicht bestitten – aber es gehe „um viel mehr“

Dass Masturbation für TeenSTAR ein „Fehlschritt“ sei und Homosexualität eine Verirrung – das bestreitet die Chefin der umstrittenen Gruppe nicht. Es handle sich dabei aber lediglich um „Vereinfachungen und Rosinen, die man sich rauspickt. Es geht um viel mehr. Um die ganzheitliche Sicht des Menschen. Man kann Sexualerziehung nicht nur auf diese Punkte reduzieren“, versucht sie, die Kritikpunkte herunterzuspielen.

Doch die Kritiker lassen sich dadurch nicht täuschen. „Wir verfolgen die Aktivitäten des Vereins TeenSTAR seit Längerem und sind sehr besorgt über die inhaltliche Ausrichtung der Angebote sowie der Botschaften, die in schulischen Aufklärungsworkshops vermittelt werden“, Josef Lindner, Obmann der HOSI Salzburg.

„Therapien“ zur „Heilung“ von Homosexualität können schwere Schäden auslösen

Denn die Botschaften, die TeenSTAR bei Jugendlichen verbreitet, sind gefährlich. „Therapien“ zur angeblichen Heilung von Homosexualität können bei den Betroffenen zu schweren Depressionen, bis hin zum Selbstmord, führen. Das betrifft besonders Jugendliche, die noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind.

Der Weltärztebund verabschiedete deshalb im Jahr 2013 eine Stellungnahme, dass solche Behandlungen, die die sexuelle Orientierung mutwillig verändern wollen, „die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen“ seien. Einige Länder wie Malta haben sie aus diesem Grund verboten.

SPÖ will wissen, ob öffentliche Gelder an TeenSTAR geflossen sind

Die SPÖ hat mittlerweile eine parlamentarische Anfrage in der Causa TeenSTAR eingebracht. Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, möchte von Bildungsminister Heinz Faßmann unter anderem wissen, ob es offizielle Kooperationen mit dem Verein gab und was man im Ministerium über TeenSTAR weiß. Auch möchte die SPÖ wissen, ob der Verein in den letzten Jahren öffentliche Förderungen bekommen hat.

Die römisch-katholische Kirche, der sich TeenSTAR nahe fühlt, geht mittlerweile zumindest in Salzburg auf Distanz. „Sehr nah kann der Verein nicht an der Kirche sein. Ich kenne die Geschichte ebenfalls nur aus den Medien“, erklärt Wolfgang Kumpfmüller, Pressesprecher der Erzdiözese, auf Nachfrage dem Onlineportal Salzburg 24.