TeenSTAR: Unterstützer machen in der Öffentlichkeit mobil

Gibt es eine organisierte Leserbrief-Aktion fundamentalistischer Anhänger des Vereins?

Salzburger Nachrichten
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Es wird wieder ein bisschen unbequemer für den Verein TeenSTAR: Der Verein bietet vor allem in Nieder- und Oberösterreich sowie in Salzburg Aufklärungskurse für Volksschüler an – doch unter der Oberfläche propagiere man „eine streng katholische Lebenskunde, die an öffentlichen Schulen kostenpflichtig angeboten wird“, wie ein Vater, der an einem Infoabend an einer Salzburger Volksschule teilgenommen hat, erzählt.

TeenSTAR propagiert die Wirksamkeit der schädlichen „Homo-Heilungen“

Die sexuelle Orientierung sei durch eine Kombination aus Therapie, Selbsthilfegruppen und Seelsorge veränderbar, ist man bei TeenSTAR unter anderem überzeugt. Doch solche „Therapien“ können bei den Betroffenen zu schweren Depressionen, bis hin zum Selbstmord führen. Einige Länder wie Malta haben sie mittlerweile verboten. Und deshalb gibt es jetzt auch unter LGBT-Aktivisten Widerstand gegen den Verein.

In einer parlamentarischen Anfrage will Mario Lindner, LGBT-Sprecher der SPÖ, von Bildungsminister Heinz Faßmann unter anderem wissen, ob es offizielle Kooperationen mit dem Verein gab und was man im Bildungsministerium über TeenSTAR weiß. Auch möchte die SPÖ wissen, ob der Verein in den letzten Jahren staatliche Förderungen bekommen hat.

Der Verein bestreitet seine gefährliche Ideologie nicht – sondern nur, dass sie an die Öffentlichkeit gelangt ist

Seitens des Vereins werden die Inhalte bis jetzt nicht bestritten. Gegenüber Medien hat Helga Sebernik, Religionslehrerin aus Niederösterreich und Leiterin von TeenSTAR Österreich, gemeint, es handle sich um „Vereinfachungen und Rosinen, die man sich rauspickt“: „Das entbehrt einer größeren Diskussion. Auf diese Ebene lasse ich mich nicht ein“, so die Chefin verschnupft.

Dass die Aktivitäten und Hintergründe der Arbeit von TeenSTAR öffentlich gemacht wurden, scheint einigen Unterstützern nicht zu gefallen. Sie versuchen seit Tagen, mit Leserbriefen an die Salzburger Nachrichten, die als erste über den Verein berichtet haben, zu beeinflussen.

Und nicht alle Leserbriefschreiber kommen dabei aus dem Einzugsgebiet der Zeitung. Nach Informationen von GGG.at soll es sich bei einigen dieser Leserbriefschreiber auch um Funktionäre von TeenSTAR handeln, die – ohne diese Naheverbindung offenzulegen – den Verein verteidigen.

Fans von TeenSTAR wettern in Leserbriefen gegen moderne Sexualpädagogik

So schreibt ein Mediziner aus Schalchen, einem 3.000-Einwohner-Ort in Oberösterreich, die „in Österreich flächendeckend angebotene, staatlich subventionierte Sexualpädagogik strotzt nur so von Ideologie“, was „unter dem Deckmantel der Diversität und Nichtdiskriminierung“ verbreitet werde, sei „ein unglaublicher Sumpf“.

Demgegenüber würde sich „eine Alternative wie der interkonfessionelle Verein TeenStar wie ein Hort der Vernunft“ ausnehmen: „Wenn linksliberale Eltern wirklich wüssten, was in der gegenwärtigen Sexualpädagogik auf ihre Kinder zukommt, würden sie in Scharen ihre Kinder bei TeenSTAR anmelden“, ist der Mediziner überzeugt.

Eine Tirolerin beschwert sich über „Gender-Mainstreaming“ und Patchwork-Familien

Eine Leserin aus Absam in Tirol erklärt in ihrem Leserbrief an die Salzburger Nachrichten, dass ihre elfjährige Tochter aus einem der Kurse „begeistert von den spannenden Vorträgen und voller Freude über das Wunder ihres Körpers nach Hause“ kam. Sie freue sich nun auf einen Mann, der sie liebt – das sei „seit Jahrtausenden unsere Grundlage mit unserem Menschenbild hier in Europa“.

Es erstaune, „dass alle neutralen Umfragen unter Jugendlichen in all den letzten Jahren ausnahmslos (…) trotz Übersexualisierung und Gender-Mainstreaming, Patchwork und allen Entwicklungen, noch immer zu 80 Prozent genau das als Wunschvorstellung äußern“, so die Leserin weiter.

Auch selbsternannte Expertinnen unterstützen TeenSTAR per Leserbrief

Eine weitere Leserin aus Klaus in Oberösterreich besteht darauf, dass die Methoden von TeenSTAR „wissenschaftlich fundiert“ seien – schließlich seien „unzählige Untersuchungen über meinen Schreibtisch gelaufen“. Aufklärung durch den christlich-konservativen Verein sei „um vieles wissenschaftlicher, ganzheitlicher, altersgerechter, elternschätzender und lebensnäher“ als von anderen Angeboten, behauptet die Dame.

Doch dem widerspricht Dr. Marianne Greil-Soyka, Präsidentin der Österreichischen Akademie für Sexualmedizin, in der aktuellen Ausgabe der Salzburger Nachrichten. Sie betont, dass Sexualpädagogik klare Werte und Haltungen in Bezug auf Sexualität, Verhütung und tragfähige Beziehungen vermittle.

Experten für Sexualmedizin widersprechen den TeenSTAR-Aktivisten

Dazu gehöre unter anderem den eigenen Körper zu akzeptieren und wertzuschätzen, ein positives Selbstbild und Selbstwertgefühl aufzubauen, eine positive Geschlechtsidentität auszubilden, die Gleichberechtigung der Geschlechter anzuerkennen, die Gefühle, Grenzen, Bedürfnisse und Meinungen anderer zu akzeptieren oder das Recht jedes Menschen auf sexuelle Selbstbestimmung anzuerkennen.

Außerdem lernen Kinder und Jugendliche durch Sexualpädagogik, die Vielfalt von Menschen, Beziehungen und Lebensstilen, von unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Religionen zu respektieren, Verantwortung, Ehrlichkeit, Respekt und Gleichberechtigung als die Grundlage menschlicher Beziehungen und einer humanen Gesellschaft anzuerkennen und Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzutreten.