[Video] Israel: 80.000 demonstrien gegen Gesetz, das schwule Männer diskriminiert

Auf gleichgeschlechtliche Paare wurde im neuen Gesetz zur Leihmutterschaft "vergessen"

Israelische Flagge
Zachi Evenor/Wikimedia - CC BY 3.0

In Tel Aviv haben am Sonntag nach Angaben der Veranstalter rund 80.000 Menschen auf dem zentralen Rabin-Platz gegen das neue Gesetz zur Leihmutterschaft demonstriert, weil es vor allem schwule Männer und Paare diskriminiert. Tausende Angehörige der LGBT-Community streikten zudem am Sonntag, in Israel dem ersten Arbeitstag der Woche.

Der größte Protest der Community, den Israel je gesehen hatte

LGBT-Aktivisten zufolge war dies der größte Protest der Community und ihrer Sympathisanten in der Geschichte Israels. Zuvor hatten die Aktivisten für rund zwanzig Minuten eine Autobahn blockiert.

Das neue Leihmutterschaftsgesetz, das am Mittwoch im israelischen Parlament beschlossen wurde, ermöglicht es nur heterosexuellen Paaren und alleinstehenden Frauen, mit Hilfe einer Leihmutter eine Familie zu gründen. Zuvor war dies nur heterosexuellen, verheirateten Paaren gestattet.

Keine Leihmutter für Männer, die nicht mit einer Frau verheiratet sind

Ledige Männer sind allerdings weiterhin ausgeschlossen – und das sind die meisten Schwulen in Israel, wo es keine Zivilehe gibt. Sie fühlen sich deshalb des Rechtes beraubt, in ihrem eigenen Land Väter zu werden. Viele schwule Paare reisen deshalb ins Ausland, um dort mit Hilfe einer Leihmutter ein Baby zu bekommen. Das ist aber meistens mit enormen Kosten verbunden.

Für Irit Rosenblum, Anwältin und Gründerin der Organisation „New Family“, ist die Gesetzesänderung sehr diskriminierend: „Eine Gesellschaft, die zwischen Bürgern erster und zweiter Klasse unterscheidet, ist keine Demokratie“, erklärt sie. So habe die rechts-religiöse Regierung in Israel in letzter Zeit eine ganze Serie anti-liberaler Gesetze verabschiedet.

Zick-Zack-Kurs von Ministerpräsident Netanjahu empört viele Israelis

Besonders empörte die Demonstranten auch die Rolle von Regierungschef Benjamin Netanjahu: Er hat zuvor in einer öffentlichen Videobotschaft angekündigt, dem Gesetz nicht zuzustimmen, wenn es gleichgeschlechtliche Paare diskriminieren würde. Doch dann stimmte der Premier doch für jene Version, in der schwule und lesbische Paare ausgeschlossen werden.

Die Menschen demonstrierten nicht nur in Tel Aviv, sondern auch in Jerusalem, Haifa und Beerscheva gegen das neue Leihmutterschaftsgesetz. Dabei wurde auch im Zentrum von Jerusalem der Verkehr blockiert, der Polizei zufolge gab es dabei zwei Festnahmen. Außerdem streikten tausende Mitglieder der LGBT-Community am Sonntag. Viele Arbeitgeber unterstützten diese Protestmaßnahme.