Armenien: Mob macht Jagd auf LGBT-Aktivisten

Zwei Aktivisten mussten mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus

Verletzter Aktivist
GALAS/Facebook

In Armenien ist es letzte Woche zu einer Hetzjagd auf neun LGBT-Aktivisten gekommen. Dabei wurden zwei von ihnen schwer verletzt, sie mussten unter anderem mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden

Wie Aktivisten und lokale Medien berichten, haben die Aktivisten am Donnetstag Hayk Hakobyan, den Gründer der „Rainbow Armenia Initiative“, in seinem Wohnhaus in der 200-Einwohner-Gemeinde Shurnukh besucht. Unter ihnen war auch die bekannte LGBT-Aktivistin Elvira Meliksetian.

Zuerst beschimpfte ein Nachbar die Aktivisten, dann kam der Mob

Am Abend klingelte ein Mann, der Hakobyan schon einmal angegriffen haben soll, mit einem Begleiter an der Tür des Aktivisten. Er wollte in das Haus eindringen, bedrohte die Gruppe und schrie homophobe Beschimpfungen. Die herbeigerufene Polizei konnte die beiden Männer nicht finden.

Einige Stunden später kamen etwa 30 Männern, Frauen und sogar Kindern zu dem Haus. Darunter war auch ein früherer Bürgermeister des Ortes, den der Vater von Hakobyan wegen Korruption angezeigt hatte. Sie begannen, die versammelten Aktivisten homophob zu beschimpfen und zu bedrohen. „Wir mussten das Haus sofort verlassen, denn sie versammelten Anwohner, um uns zu lynchen“, erinnert sich Hakobyan.

„Wir sind um unser Leben gerannt“

Dort wartete schon der Mob auf sie: „Am Anfang haben sie nur geschrien, dass Homosexuelle nicht in diesem Dorf willkommen seien, aber es wurde sehr schnell gewalttätig. Wir sind um unser Leben gerannt“, so der Aktivist gegenüber dem belgischen LGBT-Aktivisten Rémy Bonny.

Sie verfolgten den Aktivisten und seine Freunde, begannen sie zu schlagen und mit Steinen nach ihnen zu werfen. „Wir wurden alle verletzt, aber zwei meiner Freunde sind schwer verletzt und mussten sofort ins Krankenhaus. Wir sind auf die Autobahn gelaufen, wo sie uns nicht mehr folgen konnten“, erinnert sich der Aktivist an den Angriff des Mobs.

Die Polizei brauchte eineinhalb Stunden um zu kommen

Die Polizei tauchte übrigens erst gegen 21.30 Uhr vor Ort auf – neunzig Minuten, nachdem der Angriff des Mobs angefangen hatte. Die sieben leichter verletzten Aktivisten machten daraufhin eine Aussage. Dabei wurden sie von Aktivisten der LGBT-Organisation Pink Armenia und Vertretern des Menschenrechts-Beauftragten des Landes unterstützt.

Anschließend ließen sich die Aktivisten im nächstgelegenen Krankenhaus behandeln, bevor einige von ihnen von der Polizei in die Hauptstadt Jerewan gebracht wurden. Den Aktivisten ist es auch gelungen, Teile des Angriffs auf ihren Handys zu filmen.

„Ich weiß nicht, ob ich mich traue, in das Dort zurückzukehren“

Für Hayk Hakobyan hat der Angriff des Mobs persönliche Folgen. „Ich weiß nicht, ob ich mich traue, in das Dorf zurückzukehren“, sagte er am Samstag. „Auf der anderen Seite sollten wir nicht den Ort verlassen, weil sie dann gesiegt hätten“. Pink Armenia hat den Angriff mittlerweile verurteilt und fordert ein hartes Durchgreifen der Behörden. Auch das Büro des Menschenrechts-Beauftragten hat angekündigt, die Ermittlungen genau zu verfolgen.

Die zuständige Polizei hat mittlerweile in einer Pressemitteilung den Vorfall bestätigt. Eine Gruppe von Einwohnern habe mehrere Personen angegriffen und verlangt, das Dorf zu verlassen, weil es sich um Homosexuelle handle. Man habe mehrere Personen festgenommen, Aussagen und die Verletzungen der Angegriffenen dokumentiert und Ermittlungen aufgenommen, so die Behörde.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Angreifer bestraft werden, weil wir viele von denen erkannt haben und es auch geschafft haben, sie zu filmen“, ist Hakobyan zuversichtlich.