Jens Spahn will über Verbot von „Homo-Heilungen“ reden

Probt der CDU-Gesundheitsminister den Aufstand gegen christliche Fundamentalisten?

Jens Spahn
Stephan Baumann

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU hat sich zum ersten Mal öffentlich für ein Verbot der sogenannten „Homo-Heilungen“ ausgesprochen. Unterstützung dafür kommt von der SPD. In der Vergangenheit war sein Ministerium gegen ein solches Verbot.

Noch im Juli wollte sein Ministerium von einem Verbot der gefährlichen Therapien nichts wissen

Noch Anfang Juli wollte das Bundesgesundheitsministerium nichts von einer gesetzlichen Regelung von „Konversionstherapien“ sowie ihrer Bewerbung wissen, wie aus einer Anfrage der Linken-Abgeordneten Doris Achelwilm hervorging. Doch nun spricht der offen schwule Ressortchef ein Machtwort.

Er habe „grundsätzlich gar nichts dagegen“, die vermeintliche „Heilung“ von Lesben und Schwulen gesetzlich zu untersagen, erklärte er bei einer „Sprechstunde“, die der 38-Jährige auf Facebook hielt.

Die Therapien seien „eine Form von Körperverletzung“, so Spahn

„Ich halte davon gar nichts, das ist Quatsch. Und es ist vor allem für die Betroffenen, denen da irgendwas eingeredet wird, eine enorme psychische Belastung und kann auch zu dauerhaften psychischen Problemen führen“, spricht Spahn Klartext: „Deswegen ist das auch eine Form von Körperverletzung, was dort stattfindet“

Ein Problem sieht Spahn aber in der Umsetzung dieses Verbotes. Zwar könne man die öffentliche Bewerbung verbieten. „Aber wenn da jemand ist, der seine Praxis hat und da solche Angebote in der Therapie entwickelt, verkauft, versucht an den Mann oder die Frau zu bringen, dann ist das wahnsinnig schwer, das irgendwie rauszufinden, das zu bemerken“, so Jens Spahn auf Facebook.

Der Gesundheitsminister weiß nicht, wie ein solches Verbot kontrolliert werden soll

Auch scheitere es an der Kontrolle, berichtet Spahn von einem Gespräch mit dem Justizministerium zu dem Thema: „Wir können da irgendwas in ein Gesetz reinschreiben, aber wenn das keiner kontrollieren kann und es keine Folgen hat, bringt das ja auch nichts.“ Für konkrete Vorschläge zu dem Thema sei er dankbar.

Diese könnte er sich aus Malta holen – die Inselgruppe hat bis jetzt als einziges Land in der EU solche „Konversionstherapien“ verboten. Auf derartige Methoden stehen bis zu fünf Jahre Haft. Auch die britische Premierministerin Theresa May strebt eine ähnliche Regelung an, wie sie im Juli angekündigt hat.

SPD würde Verbot sofort unterstützen – fürchtet aber, dass Spahn vor der Katholiken-Lobby klein beigibt

Unterstützung für diese Pläne bekommt Spahn auf jeden Fall beim Koaltionspartner. Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, hat den Gesundheitsminister aufgerufen, „den Verantwortungen seines Ressorts nachzukommen und in Zusammenarbeit mit den Ländern und Ärztekammern diesen Scharlatanen Einhalt zu gebieten“.

Man wäre bereit, das Thema direkt nach der Sommerpause anzugehen, so Kahrs weiter. „Vor der Lobby religiöser Fundamentalisten zu kuschen und die Augen vor den seelischen Verletzungen, die aus dieser Pfuscherei resultieren, zu verschließen, wäre völlig inakzeptabel“, schreibt er dem CDU-Politiker noch ins Stammbuch.