Berliner Imamin will LGBT-freundliche Moschee in Wien gründen

Seyran Ateş eröffnete bereits in Berlin die liberale Ibn Rushd-Goethe Moschee

Seyran Ateş
Heinrich-Böll-Stiftung - CC BY-SA 2.0

Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ateş hat angekündigt, auch in Wien eine Moscheegemeinde zu eröffnen, die offen für alle ist. In Berlin betreibt sie bereits eine Moschee, in der muslimische Angehörige sexueller Minderheiten ausdrücklich willkommen sind.

Letztes Jahr eröffnete Ateş in Berlin eine liberale Moschee

Ateş eröffnete 2017 im Berliner Stadtteil Moabit die liberale Ibn Rushd-Goethe Moschee in Räumlichkeiten, die sie von der evangelischen Kirche angemietet hatte. Als Namenspatronen wählte sie Idn Rushd, einen andalusischen Philosophen und Islamgelehrten des 12. Jahrhunderts, und Johann Wolfgang von Goethe, den Ateş als einen dem Islam zugewandten Dichter bezeichnet hatte.

In der Moschee können Muslime aller Glaubensrichtungen, Frauen und Männer gemeinsam, beten, auch ohne Kopftuch. Damit zog sich Ateş, die sich auch zur Imamin ausbilden ließ, unter anderem den Zorn der türkischen Religionsbehörde Diyanet zu. Bei der Moschee handle es sich um „nichts anderes als einen Versuch zur Verfälschung der Religion“, so Diyanet-Direktor Mehmet Görmez.

Die liberale Ibn Rushd-Goethe Moschee steht auch sexuellen Minderheiten offen

Und auch sexuelle Minderheiten sind in der Moschee von Seyran Ateş willkommen. „Bei uns sind auch alle geschlechtlichen Identitäten willkommen. Es gibt ja viele Schwule und Lesben, die in die Moschee gehen und den Islam verstehen wollen. Die haben bis heute keinen Ort dafür“, erklärte die Imamin anlässlich der Eröffnung ihrer Berliner Moschee der taz.

Im Juli 2018 bekam Seyran Ateş für ihr Engagement im Rahmen des CSD Berlin den Sonderpreis des „Soul of Stonewall Awards“ (SoSA). „Seyran Ateş setzt sich mit viel Leidenschaft für einen aufgeklärten Islam ein“, erklärte damals Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg: „Die im vergangenen Jahr von ihr gegründete Ibn Rushd-Goethe-Moschee ist die erste Moschee in Deutschland, die Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität diskriminiert.“

Bis Jahresende möchte Ateş die Räumlichkeiten in Wien gefunden haben

Nun soll auch in Wien eine solche liberale Moschee bekommen. „Ich habe die Absicht, auch in Wien eine solche Moschee zu gründen“, sagt Ateş in der Donnerstags-Ausgabe des Volksblatts: „Ich hoffe, dass wir bis Jahresende wenigstens den Raum dafür haben.“

Doch der passende Raum ist nur ein Problem. Das andere ist, genügend Gemeindemitglieder zu finden. „Diejenigen, mit denen ich in Österreich über das Projekt schon gesprochen habe, sagen im ersten Atemzug: ‚Das wäre wunderbar, aber ich hätte Angst, dabei mitzumachen, weil ich nicht so leben möchte wie du.‘“ Denn seit der Eröffnung ihrer Moschee hat sie verstärkten Polizeischutz.

Ateş glaubt deshalb, dass die schweigende Mehrheit der Musliminnen und Muslime durchaus einem säkularen Islam anhängt, aber das aus Angst vor dem Fundamentalismus nicht offen zur Schau trägt. Daraus entstehe auch „die Wahrnehmung, der muslimische Mainstream sei konservativ, weil die anderen eingeschüchtert sind und sich nicht trauen“