Dienstag, 18. Juni 2024
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Wien: 46-Jähriger von zwei Männern verprügelt, weil er schwul aussah

"Sollen wir dir zeigen wie wir mit euch verfahren in unserem neuen Österreich?", schrien die Männer ihr Opfer an

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Weil er schwul aussah, haben zwei Unbekannte einen 46-jährigen Mann mitten in Wien attackiert – bis ihm Autofahrer zur Hilfe kamen. Das berichtet die Tageszeitung Heute. LGBT-Vertreter sind über die homophobe Gewalttat entsetzt.

Beschwingt ging Stefan N. auf der Lerchenfelder Straße, bis er von zwei Männern angepöbelt wurde

Stefan N., der Name wurde von der Redaktion der Tageszeitung geändert, war gerade auf der hell erleuchteten Lerchenfelder Straße, die den siebenten und achten Wiener Gemeindebezirk trennt, unterwegs. „Ich war am Heimweg und bin beschwingt gegangen, weil ich Musik gehört habe“, erinnert er sich.

Doch plötzlich hörte er hinter sich zwei Männer pöbeln. Der 46-Jährige nahm seine Kopfhörer ab und drehte sich um. „Zwei junge Männer standen vor mir und schrien ‚Was willst du, du schwule Sau? Sollen wir dir zeigen wie wir mit euch verfahren in unserem neuen Österreich?‘“, erinnert er sich.

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Der 46-Jährige wurde als „schwule Sau“ beschimpft und verprügelt“

Die Unbekannten prügelten auf den 46-Jährigen ein. „Ich schrie, so laut ich konnte“, erinnert er sich. Außerdem versuchte er, sich mit seiner Edelstahlflasche gegen die Angreifer zu wehren. Erst, als Autos auf der stark befahrenen Straße stehenblieben und Bewohner ihre Fenster öffneten, ließen die beiden Männer von ihrem Opfer ab und flüchteten.

„Ich fasse es nicht, dass ich verprügelt wurde, nur weil die Täter dachten dass ich schwul bin, was nicht einmal stimmt.“, ist Stefan N. noch immer geschockt. Bei dem Angriff ist er mit blauen Flecken und einem Schock davongekommen.  Die Unbekannten hat er angezeigt. „Ich will mir gar nicht vorstellen was passiert wäre, wenn zwei Frauen oder zwei Männer Hand in Hand die Straße entlangspaziert wären.“

Im Gegensatz zu beispielsweise Berlin werden Verbrechen, die aus Hass auf Homosexuelle oder Transpersonen begangen werden, von der Landespolizeidirektion Wien nicht gesondert ausgewiesen. Auch gibt es – anders als in vielen deutschen Städten – keine eigene Ansprechpersonen für LGBT-Personen.

„Es bleibt noch viel zu tun“, sagt HOSI-Obmann Yvon.

LGBT-Vertreter sind über die Gewalttat entsetzt. „Dieser Vorfall zeigt, wie verbreitet gewalttätige Homophobie immer noch ist. Deshalb bleibt auch nach der Öffnung der Ehe noch lange viel zu tun: Wir alle müssen uns einsetzen für ein Leben ohne Angst, ein Leben mit Respekt. Dafür lohnt es sich, sich in der Community zu engagieren und Vorurteile abzubauen. Auch zum Wohle der Heteros, wie wir hier leider wieder sehen mussten“, so Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien.

Auch aus der Politik kommen eindeutige Reaktionen: „Man darf hier nicht wegschauen und erst recht nicht still sein. Dieser feige Angriff zeigt, dass Homophobie in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Problem ist und es jeden treffen kann. Homo- und Transphobie haben weder in Wien noch in Österreich Platz und werden wir nicht tolerieren“, erklärt Bakri Hallak, Wiener Landesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Organisation SoHo.

Er fordert außerdem die Bundesregierung zu einer klaren Reaktion und Maßnahmen gegen Hassverbrechen auf. „Für die Sozialdemokratie ist klar, dass Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung aufs Schärfste zu verurteilen sind.“, so Hallak.

Der Grüne Gemeinderat Peter Kraus hofft, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden

Und auch Peter Kraus,  Wiener Landesvorsitzender der Grünen Andersrum macht klar, dass Homophobie und Gewalt in Wien keinen Platz haben. „Ich hoffe, dass die Täter ausgeforscht und zur Verantwortung gezogen werden. Wien ist eine Stadt, in der es keine Rolle spielen darf, woher du kommst, wie du aussiehst oder wen du liebst.“, so Kraus.

Darum würden die Grünen auch Initiativen unterstützen, die für ein offenes und respektvolles Wien arbeiten. Kraus appelliert auch an die Zivilcourage der Community. „Alle können mithelfen: Durch Unterstützung von Vereinen wie queerconnexion oder durch Zivilcourage im eigenen, alltäglichem Leben“, erklärt der Grüne.