Polen: Rechte Hooligans stürmen LGBT-Veranstaltung

„Sie haben uns gesagt, dass Stettin uns nicht will“,

Hooligans in Stettin
Lambda Szczecin/Facebook

Im Stettin (Szczecin) im Nordwesten Polens haben mehrere Unbekannte am Sonntag den Stand einer lokalen LGBT-Organisation verwüstet und Passanten bedroht – nur wenige Tage, bevor die erste LGBT-Parade in der Stadt stattfinden soll.

Statt Kuchen und Gesprächen gab es plötzlich Randale von rechts

Organisiert wurde die Veranstaltung von Lambda Szczecin und anderen Organisationen der polnischen Zivilgesellschaft. „Es wird gesunde Kuchen, Salate, Bücher, Spiele, eine Foto-Ausstellung und andere Attraktionen geben“, kündigte die Organisation das Straßenfest auf Facebook an. In lockerer Atmosphäre sollte für Minderheitenrechte und die Gleichheitsparade geworben werden, die am 15. September zum ersten Mal in Stettin stattfindet.

Doch gegen 14.00 Uhr tauchten plötzlich mehrere Männer laut fluchend auf. Sie zerstörten die Dekoration: Drei der Männer sind auf die regenbogenfarbigen Schirme und Flaggen zugelaufen und haben sie zerstört, indem sich auf ihnen herumgetrampelt sind und sie zerrissen haben.  Mindestens ein Anrainer rief ihnen noch „Bravo, ihr Helden“ zu.

Die ganze Aktion dauerte Zeugen zufolge keine zwei Minuten. Auf ihre Zerstörungswut angesprochen reagierten sie mit homophoben Beleidigungen. Daraufhin haben einige interessierte Passanten die Flucht ergriffen.

Beim Eintreffen der Polizei waren die Hooligans schon weg

„Ich hatte Angst“, erinnert sich Alicja Ilnicka, Sprecherin von Lambda Szczecin, im Gespräch mit dem polnischen Nachrichtensender TVN24: „Sie haben uns gesagt, dass Stettin uns nicht will.“ Als die alarmierte Polizei eingetroffen ist, waren die Hooligans schon wieder verschwunden.

Einige Zeugen beschrieben die Männer als Hooligans aus der Fußballszene. Online vermuteten einige User, dass es sich um Mitglieder der rechtsradikalen Organisation „Nationalradikales Lager“ (ONR) handle, die schon in der Vergangenheit LGBT-Veranstaltungen angegriffen hatten.

Die Täter müssen keine hohen Strafen fürchten

LGBT-Aktivisten haben den Vorfall mitgefilmt. Nun hoffen sie, die Täter mit Hilfe des Videos zu finden. Doch die Strafe, die den Unbekannten wegen Rowdytums droht, wird vermutlich gering sein – homophobe Absichten werden von den polnischen Gerichten so gut wie nie als strafverschärfend angesehen.

Der erste Gleichheitsmarsch in Stettin soll am 15. September stattfinden. Zahlreiche konservative und rechtsradikale Gruppierungen haben Gegenkundgebungen angekündigt. Wie die Organisatoren erklärten, hat die Polizei Lambda Szczecin die Sicherheit der Teilnehmer garantiert.