Türkischer Journalist warnt vor US-„Schwulenbombe“

Die regierungsfreundliche Presse bringt sich mit allen Mitteln gegen die USA in Stellung

Mehmet Barlas
Sabah

Die Vereinigten Staaten haben eine Bombe entwickelt, welche die sexuelle Orientierung von Menschen ändern kann. Das behauptet zumindest Mehmet Barlas, einer der bekanntesten Journalisten und politischen Kommentatoren der Türkei.

Der 76-Jährige schrieb in seiner Kolumne für die regierungsfreundliche türkische Tageszeitung Sabah, dass die USA diese Bombe während des zweiten Weltkriegs entwickelt hätten: „Amerikanische Spezialisten haben im Jahr 1944 an einer Bombe gearbeitet, die feindliche Soldaten homosexuell macht. Wenn diese Bombe aus der Ferne gezündet wird, fühlen sich die feindlichen Soldaten gegenseitig sexuell angezogen“, schreibt Barlas.

Wenn die Vereinigten Staaten einem Land feindlich gesinnt seien, planten sie dem Journalisten zufolge „entweder, die sexuellen Präferenzen der Bevölkerung dieses Landes zu verändern, oder sie töten alle“.

Die Bombe sei außerdem Teil eines geheimen Programms der USA gewesen, um die Überbevölkerung zu stoppen, ist sich der 76-Jährige sicher. Dazu gehörte Barlas zufolge auch der Einsatz von Impfstoffen: So würde die Grippeimpfung Männer für mindestens zwei Monate von ihren Partnerinnen fernhalten.

Latente Homophobie der Bevölkerung als Mittel, die USA zu diskreditieren

Hintergrund für die abstrusen Theorien des Journalisten, der auch gerne die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdoğan lobt: Die Türkei befindet sich gerade in einem diplomatischen Scharmützel mit den Vereinigten Staaten. Grund dafür ist der in der Türkei festgehaltene US- Pastor Andrew Brunson.

Um den Forderungen nach seiner Freilassung Nachdruck zu verleihen, hat US-Präsident Donald Trump Handelszölle auf türkische Produkte erhoben. Erdoğan reagierte daraufhin mit religiös-nationalistischen Aussagen. Und in seinem Umfeld wird mit solchen homophoben Thesen gezielt Stimmung gegen die USA gemacht.

USA haben tatsächlich einmal eine „Schwulenbombe“ geplant – aber später und erfolglos

Die USA haben übrigens tatsächlich einmal über eine „Schwulenbombe“ nachgedacht – allerdings viel später als von Barlas behauptet. Wie die BBC berichtete, rief das US-Militär im Jahr 1994 ein Projekt ins Leben, das nicht-tödliche Chemikalien entwickeln sollte, welche die Moral der Gegner untergraben sollten.

Neben einem Kampfstoff, der „großflächiges homosexuelles Verhalten“ hervorrufen sollte, arbeiteten die Wissenschaftler auch an Chemikalien, die für starke Flatulenzen sorgen sollten. Auch Stoffe, die Schwärme von Wespen oder Ratten anziehen sollten, waren angedacht. Wegen wenig überraschender Erfolglosigkeit wurde das Projekt 1997 eingestellt. Die Kosten dafür lagen bei 7,5 Millionen Dollar.