Verwirrung durch neue App: Wie sicher ist der Berliner Regenbogenkiez?

Für die Berliner Polizei einer der gefährlichsten Orte der Stadt, für eine Sicherheits-App einer der sichersten LGBTQ-Plätze der Welt

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

GeoSure ist eine App, mit der User in Echtzeit die Sicherheit bestimmter Orte bestimmen und nachsehen können. Nun möchten die Macher auch im LGBTQ-Reisemarkt mitmischen – und leisten sich gleich am Anfang das erste Fettnäpfchen.

So hat GeoSure nun die „Top 5 der weltweit sichersten Stadtviertel für LGBTQ-Reisende“ bekanntgebeben. „GeoSure verwendet maschinelles Lernen, KI, Stimmungsanalyse und Predictive Analytics, um Bewertungen zusammenzustellen“, heißt es in der Pressemitteilung dazu – doch so ganz scheint das System nicht zu funktionieren.

Sicher für die App – ein Brennpunkt für die Polizei vor Ort

Die fünf sichersten Stadtviertel für LGBTQ
  1. The Castro in San Francisco (17 Punkte)
  2. Berlin-Schöneberg (24 Punkte)
  3. Amsterdam-Centrum (27 Punkte)
  4. Eixample in Barcelona (30 Punkte)
  5. Stadtzentrum/Florentin in Tel Aviv (31 Punkte)
Quelle: GeoSure

Denn auf Platz zwei der weltweit sichersten Stadtviertel für LGBT-Reisende rangiert der Nollendorfkiez in Berlin-Schöneberg. Diese Einschätzung dürfte einige Einheimische erstaunt haben – stuft die Berliner Polizei das Viertel doch als einen der zehn gefährlichsten Orte der Stadt ein. Besonders Beschaffungskriminalität, Taschendiebstahl, Raub und Drogenhandel sind so häufig, dass die Polizei den Kiez im Jahr 2017 als „kriminalitätsbelasteten Ort“ (kbO) einstufte.

Der Berliner Morgenpost zufolge wurden dort zwischen Mai 2016 und März 2017 zwölf Fälle schwerer homophober Hasskriminalität angezeigt. Außerdem kam es in dieser Zeit dort zu 2.276 Diebstählen, 167 Sachbeschädigungen, 113 Beleidigungen, 70 Raubtaten und 38 Bedrohungen.

User können bewerten, wie sicher sie eine Gegend finden

Screenshot: GeoSure für Castro
GeoSure

GeoSure definiert seine LGBTQ-Sicherheitskategorie als Bewertung der „Wahrscheinlichkeit von Angriffen auf oder Diskriminierung von LGBTQ-Personen oder -Gruppen (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder queer) und dem Maß an Vorsicht, das an dem Ort erforderlich ist.“ Dabei können User einzelne Punkte von 1 bis 100 bewerben  – je niedriger die Bewertung, umso sicherer ist das Viertel.

„Vor drei Jahren war GeoSure das allererste Unternehmen, das eine weltweite Sicherheitsmaßnahme speziell für alleinreisende Frauen entwickelte, und heute freuen wir uns, die erste lokalisierte Sicherheitsbewusstseinslösung speziell für LGBTQ-Reisende zu enthüllen“, so Michael Becker, CEO von GeoSure. Doch offenbar müssen die Macher hier noch etwas nachjustieren.

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