Schwulen Lehrer rausgeschmissen: Jetzt wehren sich die Schüler

Vom kirchlichen Betreiber der Schule gefeuert: Im Ruhrgebiet setzen sich 600 Schüler und einige Ex-Kollegen für den Pädagogen ein

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Das Schicksal eines Junglehrers aus Borken im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen erregte große Aufmerksamkeit: Weil er schwul ist und seinen Partner heiraten will, wurde ihm eine Anstellung an einer katholischen Privatschule verwehrt. Nun demonstrieren die Schüler für ihren Lehrer – mit Unterstützung der Direktion.

Weil er seinen Partner heiraten will, wurde dem Junglehrer eine Anstellung verweigert

Der Lehrer machte in dem staatlich anerkannten Gymnasium Mariengarten sein Referendat, gerne hätten die Lehrer und Schüler ihn auch behalten. Doch der Betreiber der Schule, der römisch-katholische Orden der Hünfelder Oblaten, stellte sich quer.

„Die persönliche Zukunftsperspektive stimmte nicht mit den Vorgaben der kirchlichen Grundordnung überein“, so Pater Christoph Heinemann, der Sprecher des Mainzer Oblatenordens. Der junge Lehrer hatte sich zuvor als schwul geoutet und angekündigt, seinen Lebenspartner zu heiraten. Deshalb sperrte sich der Orden gegen die Anstellung des Mannes, der „ohne Zweifel ein guter Lehrer“ sei, wie auch das Pater bestätigt.

Mit bunten Luftballons setzten die Schüler in der großen Pause ein Zeichen

Dagegen protestieren heute die Schüler des Gymnasiums Mariengarten. Wie die Bild-Zeitung berichtet, stellten sich die etwa 600 Schüler und auch einige Lehrer in der großen Pause auf dem Schulhof mit bunten Luftballons zu einer Regenbogenflagge auf. „Wir wollen nicht so einfach hinnehmen, dass ein toller Lehrer hier nicht arbeiten darf, nur weil er seinen Partner heiraten will“, erklärte Schulsprecherin Lara Doods der Zeitung. Mit der Aktion wolle man ein Zeichen für Toleranz setzen.

Unterstützung für den Protest gibt es auch aus der Direktion: „Wir hätten ihn gerne hier beschäftigt. Aber sein Entschluss, einen Mann zu heiraten, hat dazu geführt, dass ich den Vertrag zurückziehen musste. Es entspricht nicht dem Heiligen Sakrament der Ehe. Ich finde es aber gut, wie sich die Schüler engagieren. Das Thema wird bei uns offen diskutiert“, erklärt Schulleiter Michael Brands.

Das Gymnasium versteht sich nach wie vor als offene Schule

Der geistliche Träger des Gymnasiums versucht sich nun in Schadensbegrenzung. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Schulleitung, den Lehrern, Eltern und der Schülervertretung wird betont, dass man sich nach wie vor als offene Schule verstehe. „Viele Schüler, Lehrer, auch Eltern sind betroffen, irritiert oder empört“, heißt es in der Erklärung.

Der Orden der Hünfelder Oblaten betont demonstrativ, dass er das Engagement der Schüler begrüßt. „Wir treten dafür ein, dass junge Menschen ihre Meinung sagen und sich auch engagieren für andere“, so Pater Heinemann gegenüber der Bild-Zeitung. In einer solchen Situation sei es wichtig, ins Gespräch zu kommen, betont er.

Der schwule Junglehrer hat mittlerweile eine neue Stelle an einer staatlichen Schule bekommen – und das katholische Gymnasium einen beliebten Pädagogen verloren.