Senegal: Vier Verhaftungen wegen „widernatürlicher Unzucht“

Vor der Präsidentenwahl sind Angehörige sexueller Minderheiten verstärkt Verfolgung ausgesetzt

Flagge des Senegal
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Im Februar 2019 finden im Senegal Präsidentschaftswahlen statt. Schon jetzt beginnt sich Amtsinhaber Macky Sall als Hüter von Moral und Ordnung in Stellung zu bringen – zu Lasten sexueller Minderheiten. Diese sind in den letzten Monaten vermehrt Verfolgungen und Verhaftungen ausgesetzt.

In der Nachbarschaft ist ein Video der Verhafteten aufgetaucht, auf dem sie Sex haben sollen

So sind letzte Woche in der senegalesischen Hauptstadt Dakar zwei Frauen und zwei Männer festgenommen worden. Ihnen werden „widernatürliche Akte“ und ein „Verstoß gegen die Moral“ vorgeworfen, so regionale Medien.

Zur Festnahme sollen Videos geführt haben, welche die Betroffenen beim gleichgeschlechtlichen Sex zeigen sollen. Diese sind in einem Viertel von Dakar aufgetaucht und wurden in der Nachbarschaft der Betroffenen auch fleißig verbreitet, bevor der Behörden darauf reagiert haben.

Das Klima gegenüber sexuellen Minderheiten wird ungemütlicher

Die Verhaftungen geschehen nur wenige Wochen nach der Verurteilung eines Mannes, der von einem Gericht in Dakar zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, einen Kollegen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben – was dieser stets bestritt. Außerdem muss er dem mutmaßlichen Opfer umgerechnet 4.000 Euro Schadenersatz zahlen – in einem Land, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen weniger als 3.000 Euro beträgt.

Für die senegalesische LGBT-Organisation „Arc en ciel“ ist klar: „Mit dem Herannahen der Präsidentschaftswahlen beginnt die Jagd auf sexuelle Minderheiten, weil die Regierung so auf Vorwürfe reagieren will, pro-homosexuell zu sein“, schrieben die Aktivisten auf Facebook.

Die Machthaber lassen sich von internationalen Protesten nicht beeindrucken

Das hat Amtsinhaber Macky Sall schon in der Vergangenheit publikumswirksam bewiesen. So hat er 2013 die Forderung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama zurückgewiesen, Homosexualität zu entkriminalisieren. Ähnliche Forderungen der Vereinten Nationen beantwortete Justizminister Sidiki Kaba mit dem Hinweis, man bestrafe nicht Homosexuelle, sondern „widernatürliche Akte“.

Die afrikanische LGBT-Dachorganisation PanAfrica ILGA (PAI)  machte in einer Stellungnahme ihre Position klar: „Die senegalesischen Kandidaten und die Regierung müssen für ihre homophoben Einstellungen und die Verletzungen der Menschenrechte, die sie vor der Wahl als Bühne nutzen, verantwortlich gemacht werden. Wir sind mit unseren Kameraden im Senegal solidarisch“, so die Gruppe.

Gleichgeschlechtliche Handlungen sind im Senegal illegal. Sie können mit bis zu fünf Jahren Gefängnis oder Geldbußen von bis zu 3.000 Euro bestraft werden.