Denkmal für verfolgte Homosexuelle erneut geschändet

Unbekannte brannten "HIV" in die Steinplatte ein

Beschädigung am Homo-Monument Berlin
Angel Ivanov/LSVD

In Berlin ist das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Wochenende wieder von Unbekannten beschädigt worden. In die Steinplatte vor dem Sichtfenster des Denkmals wurden die Buchstaben „HIV“ eingebrannt, teilte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) mit.

Die Tat sei „niederträchtig und verabscheuenswert“, so der LSVD

Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg hat bereits bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Tat sei „niederträchtig und verabscheuenswert“, so der LSVD: „Vandalismus ist keine Bagatelle“. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch für die Instandhaltung dieses Mahnmals verantwortlich ist, wurde um Schadensbeseitigung gebeten.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Denkmal in seiner mehr als zehnjährigen Geschichte zum Ziel von Vandalenakten wurde. Bereits drei Monate nach der Einweihung am 27. Mai 2008 wurde das Sichtfenster, durch das eine Kuss-Szene in Dauerschleife zu sehen ist, das erste Mal eingeschlagen.

Es folgten weitere Beschädigungen: In den kommenden Monaten wurde die Glasscheibe noch mehrmals eingeschlagen oder zerkratzt. Schließlich kritisierte auch der damalige Bundespräsident Horst Köhler die Anschläge auf das Mahnmal.

Das Denkmal soll ein Zeichen gegen Intoleranz setzen – und wird zum Symbol dafür

Das Denkmal wurde vom dänisch-norwegischen Künstler-Duo Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen und nach einem entsprechenden Beschluss des deutschen Bundestages gebaut. Es soll die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus ehren und zugleich „ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen“.

Die Künstler griffen dabei die Formensprache des benachbarten Denkmals für die ermordeten Juden Europas auf und ergänzten sie um ein Element – eben jenes Sichtfenster mit der Kuss-Szene. Zu Beginn war dort ein Männerkuss zu sehen, seit 2010 wird dort ein lesbischer Kuss gezeigt.

Im Juni 2018 fand ein Festakt anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Denkmals statt. Dabei bat der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede die Community erstmals öffentlich um Vergebung „für all das geschehene Leid und Unrecht, und für das lange Schweigen, das darauf folgte“.