Home Politik International Nach Kommentar gegen Homo-Paare: Magazin stellt Erscheinen ein

Nach Kommentar gegen Homo-Paare: Magazin stellt Erscheinen ein

Gleichgeschlechtliche Paare „machen keine Kinder und tragen deshalb nicht zum Wohlergehen der Nation bei“

Symbolbild: Japan
Adobe Stock

Ein bekanntes japanisches Monatsmagazin stellt den Betrieb ein. Grund dafür ist ein homophober Artikel, der in Shincho 45 erschienen ist. Das berichtet die britische Tagezeitung The Guardian. Nun zieht der Verlag die Konsequenzen.

Abgeordnete bezeichnete LGBT-Personen in einem Artikel als „unproduktiv“

Ursprung der Kontroverse war ein Artikel von Mio Sugita, eine Abgeordnete des rechten Flügels der Liberaldemokratischen Partei von Premierminister Shinzo Abe, der in der Juli-Ausgabe des Magazins veröffentlicht wurde. Sugita bezeichnet LGBT-Personen darin als „unproduktiv“.

Gleichgeschlechtliche Paare „machen keine Kinder. In anderen Worten, sie lassen Fruchtbarkeit vermissen und tragen deshalb nicht zum Wohlergehen der Nation bei“, so die Abgeordnete. Sie stellte auch infrage, ob LGBT-Personen mit Steuergeld unterstützt werden sollten.

Das Magazin relativierte die Aussage und legte noch einmal nach

Das sorgte für viel Kritik in Japan. Doch Shincho 45, das zuletzt auch rechten und reaktionären Meinungen viel Platz bot, legte noch einmal nach. In der darauffolgenden Ausgabe frage das Monatsmagazin in einer Artikelserie, ob Sugitas Artikel wirklich „dermaßen empörend“ sei.

Der Literaturkritiker Eitaro Ogawa stellte in seinem Beitrag für das Magazin die Frage, ob sich eine Gesellschaft, die die Rechte sexueller Minderheiten verteidige, auch für die Rechte von Grapschern in Zügen einsetzen sollte.

Der Verlag zog die Reißleine und stellte das auflagenschwache Magazin ein

Das war dem Shinchosha-Verlag, der das Magazin herausgibt, zuviel: Es stellte das Magazin ein und entschuldigte sich öffentlich für die Artikel. „Wir können nicht leugnen, dass wir es verabsäumt haben, das Feature genau zu prüfen und die Artikel vollständig zu checken, da wir aufgrund des zurückgegangenen Zeitschriftenverkaufs nicht genügend Ressourcen für dea Lektorat haben. Es tut uns sehr leid, dass wir das zugelassen haben“, zitiert die Tageszeitung Asahi Shimbun aus einer Stellungnahme des Verlags.

Bereits zuvor hatte Verlagspräsident Takanobu Sato um Verzeihung gebeten, was in Japan ein sehr ungewöhnlicher Schritt ist. Die betreffende Ausgabe von Shincho 45 sei „voller Vorurteile und lässt Verständnis vermissen“, betonte Sato.

Partei nimmt Abgeordnete in Schutz: 51-Jährige „noch jung“

Für die Abgeordnete, die die Affäre ausgelöst hatte, gibt es voraussichtlich keine Konsequenzen. Bis jetzt hat sich Sugita für ihren Artikel noch nicht entschuldigt. Dafür nahm Premierminister Abe seine Parteikollegin in Schutz. Er dränge Sugita nicht zum Rücktritt, sie sei „noch jung“, so Abe. Hier gelten in Japan wohl eigene Maßstäbe: Mio Sugita ist 51 Jahre alt.