Community streitet um Gedenken für Lesben im KZ Ravensbrück

Lesbische Feministinnen ist der Text des LSVD nicht radikal genug - jetzt gibt es kein Mahnmal

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Bundesarchiv, Bild 183-1985-0417-017 - CC-BY-SA 3.0

Auch lesbische Frauen wurden während des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und getötet. Sämtliche Verantwortliche sind sich darüber einig, dass vor Ort daran gedacht werden soll – doch über die Details wird seit mittlerweile sechs Jahren erbittert gestritten. Und ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.

Alle wollen eine Gedenkkugel, doch beim Text gibt es keine Einigkeit

Geplant ist eine Gedenkkugel. Doch welcher Text auf ihr stehen soll, ist ein Politikum. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg schlug die Inschrift „Den lesbischen Frauen unter den Häftlingen der verschiedenen Verfolgtengruppen“ vor. Der internationale Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, die für Ravensbrück zuständig ist, beschloss in seiner jüngsten Sitzung mit einer Mehrheit von sechs zu vier Stimmen diesen Text.

Doch die Stiftung selbst lehnte ihn ab. Grund dafür waren Zerwürfnisse innerhalb der LGBT-Commumity. Lesbischen Aktivistinnen geht der Textvorschlag beispielsweise nicht weit genug. „Lesbische Frauen galten als ‚entartet‘ und wurden als ‚asozial‘, als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet“, will beispielsweise die Initiative „Autonome feministische FrauenLesben“ auf die Gedenkkugel schreiben.

Lesbische Liebe war nicht explizit verboten, deshalb haben die Nazis oft andere Gründe vorgeschoben

Im Kern geht es um die Frage, ob lesbische Frauen – genauso wie schwule Männer – wegen ihrer sexuellen Orientierung ins KZ kamen. Denn weibliche Homosexualität war, anders als in Österreich vor dem „Anschluss“ 1938, nicht strafbar. „Lesbische Beziehungen waren kein offizieller Grund, warum Frauen in Ravensbrück inhaftiert waren“, erklärt Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Trotzdem konnte ihre sexuelle Orientierung mit dazu beitragen, im KZ zu landen.

Dass der LSVD diese Ansicht teilt, sorgt vor allem bei lesbischen Aktivistinnen für Unbehagen. Birgit Bosold, Vorständin des Schwulen Museums Berlin, stellt in Frage, „ob der LSVD die richtige Organisation ist, die Interessen der queeren Communitys in den Gremien der Gedenkstätten zu vertreten. Ich persönlich fühle mich jedenfalls durch den LSVD nicht vertreten.“

Damit verhindern Streitigkeiten innerhalb der Community, dass den lesbischen Opfern im KZ Ravensbrück überhaupt gedacht wird. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird erst dann eine Inschrift in Auftrag geben, wenn es einen Konsens gibt. Und der ist meilenweit entfernt: Neben dem Antrag des LSVD gibt es noch vier weitere aus der Community, die alle eine andere Inschrift wollen. Bis die Gedenkkugel kommt, werden noch Jahre vergehen – und das, obwohl sie eigentlich alle wollen.