Israelische Spionagefirmen halfen bei der Unterdruckung von LGBT

Kunden aus Aserbeidschan erkundigten sich konkret nach dem Erschnüffeln von Schwulen

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Israelische Firmen gelten als weltweit führend, wenn es um die Entwicklung von Überwachungssoftware geht. Doch diese wird in einigen Ländern auch eingesetzt, um Lesben und Schwule zu jagen, berichtet die israelische Tageszeitung Ha’aretz.

Ein Kunde wollte wissen, wie man über Facebook die sexuelle Orientierung der Nutzer herausfinden könnte

In einer umfassenden Recherche hat die Zeitung nachgewiesen, wie die Software von einigen Staaten genutzt wird. Dazu wurden unter anderem auch mehr als 100 Quellen aus der Branche befragt. Ein Manager gab etwa an, dass ein Kunde aus Aserbeidschan  wissen wollte, wie er die sexuellen Vorlieben von Nutzern über Facebook herausfinden könne. „Nachher, als ich mich in das Thema eingelesen hatte, habe ich herausgefunden, dass sie dafür berüchtigt sind, dort die Community zu verfolgen.“

Doch Interesse an der sexuellen Orientierung von Personen ist nicht nur in fernen Ländern vorhanden: So wurde die Spyware auch von israelischen Geheimdiensten eingesetzt, um schwule Palästinenser zur Zusammenarbeit zu erpressen, damit sie ihre Nachbarn ausspionieren. Im Jahr 2014 weigerten sich einige Reservisten des israelischen Militärgeheimdienstes öffentlichwirksam, weiter an diesen Operationen teilzunehmen.

Mit der Spionagesoftware hat man praktisch Zugriff auf das gesamte Leben des Betroffenen

„Jeder in der Branche weiß, dass wir Systeme herstellen, die in das Leben der Leute eindringen und ihre grundlegensten Rechte verletzen“, sagte eine der Quellen der Zeitung. So kann israelische Spionagesoftware, sobald sie auf einem Handy aktiv ist, „Gespräche in der Nähe aufzeichnen, die in der Umgebung des Telefons fotografieren, Textmessages und E-Mails schreiben sowie lesen, Apps herunterladen und bereits installierte Apps infizieren, und hat Zugriff zu Fotos, Clips, dem Kalender und die Kontaktliste“.

Das Problembewusstsein in der boomenden Branche ist dabei überschaubar. „Wenn ich jemandem einen Mercedes verkaufe, kann ich ihm auch nicht verbieten, schneller als 100 km/h zu fahren“, verteidigt sich ein Manager lapidar gegenüber Ha‘aretz.

Die israelische Regierung soll 2014 den Export von Sicherheitsprodukten in 130 Länder genehmigt haben, darunter nach Äthiopien, Indonesien und Nicaragua. Für den Verkauf nach Bahrain und an die Vereinigten Arabischen Emirate sollen israelische Unternehmen Briefkastenfirmen in Zypern und Bulgarien eingerichtet haben.