Schweden: Neunjähriger Trans-Bub aus Fußballclub geschmissen

Nun muss sich der Verein für den Rausschmiss vor Gericht verantworten

Symbolbild: Kinder beim Fußballtraining
Symbolbild - Adobe Stock

In Schweden hat ein lokaler Fußballklub einen neunjährigen Buben aus dem Team geworfen – weil er als Mädchen geboren wurde. Der Fall sorgt nun international für Schlagzeilen.

Julle durfte nicht mit der Bubenmannschaft mitspielen, weil er als Mädchen geboren wurde

Es geh um Julle, der wahnsinnig gerne Fußball spielt. Er sieht aus, wie man sich einen kleinen schwedischen Buben vorstellt: Er ist blond und trägt Hosen in den Landesfarben gelb-blau. Sein Idol ist – wie für viele schwedische Fußballer – Zlatan Ibrahimovic. Lange spielte er für den Veberöds AIF, den Verein in seinem Heimatort im Süden von Schweden. Doch dort wurde er vor zwei Jahren rausgeschmissen – weil Julle als Julia geboren wurde und von den Behörden noch als Mädchen geführt wird.

„Aber seit er reden kann, sagt er, er fühle sich wie ein Bub“, erklärt Julles Mutter der französischen Tageszeitung Le Monde. Das sagte sie auch dem Verein, als sie Julle dort einschrieb. Doch plötzlich änderte sich etwas. „Eines habe ich die Liste der Kinder erhalten, die sich für einen Wettbewerb angemeldet haben. Mein Sohn war nicht dabei. Ich dachte, es wäre ein Fehler“, erinnert sich die Mutter. Doch das war es nicht.

Für den schwedischen Sport-Dachverband wäre das Mitspielen kein Problem

„Als ich den Club kontaktierte, wurde mir mitgeteilt, dass das Management entschieden hatte, dass Julle jetzt mit den Mädchen trainieren würde“, ärgert sich Julles Mutter im Gespräch mit Le Monde. Bis dorthin war das Geschlecht des Burschen für den Verein nie ein Problem.

Julle wurde also ausgerechnet im liberalen Schweden aus dem Burschenteam ausgeschlossen. Dabei können sich andere Trans-Kinder in dem skandinavischen Land durchaus aussuchen, in welchem Team sie trainieren wollen. Die Richtlinien des Schwedischen Sportverbandes sind klar: Bis zur Pubertät spricht nichts dagegen, Buben und Mädchen gemeinsam zu trainieren.

Nun trainiert Julle bei einem anderen Verein, der ihn gerne aufgenommen hat

Die Mutter bot dem Verein sogar an, dem Vorstand die Situation zu erklären – doch dort hatte man kein Interesse. Am 15. Oktober reichte deshalb die LGBT-Organisation „Malmö mot Diskriminiering“ im Namen Julles Klage gegen den Verein ein. Es ist das erste Mal, dass Trans-Rechte in Schweden vor Gericht eingeklagt werden müssen.

Für Julle selbst, der mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern weiter in Veberöds lebt, hat die Geschichte ein Happy End: Ein Nachbarklub hat ihn in sein Team aufgenommen – und dort ist sein Geschlecht kein Thema mehr.