Deutsche Bank: Jubel für homophoben Präsidenten kostet Kunden

Ein Tweet über den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro sorgt für einen Shitstorm

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Deutsche Bank/Mario Andreya

Für Ärger in der Community sorgt derzeit die Deutsche Bank. Sie hat in einem Tweet den Eindruck erweckt, die Wahl des ultrarechten Homo-Hassers Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens zu begrüßen. Jetzt überlegen langjährige Kunden, ihr Konto bei der Bank zu kündigen – darunter auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Rechtskonservativer Homo-Hasser ist „Wunschkandidat der Märkte“, freut sich die Deutsche Bank

„Brasilien: Präsidentschaftswahlen gehen am Sonntag in die erste Runde – der neoliberale Jair Bolsonaro ist Wunschkandidat der Märkte“, twitterte die Deutsche Bank bereits am 5. Oktober – eine klare Verharmlosung der rechtspopulistischen Politik des als „Tropen-Trump“ bezeichneten Kandidaten, gegen die auch viele Nutzer protestierten.

So hat Bolsonaro unter anderem die Existenz von homophober Gewalt in Brasilien verleugnet und gemeint, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre. Letztes Jahr wurde wegen ähnlicher Aussagen zu einer Geldstrafe von umgerechnet 34.000 Euro verurteilt.

Als Antwort auf den Tweet lügt die Bank einmal

Die Deutsche Bank reagierte auf diese Proteste zunächst überhaupt nicht. Zehn Tage später antwortete sie auf den Shitstorm: „Die Deutsche Bank unterstützt keine Parteien und Politiker.“

Doch das stimmt nicht: So spendete die Bank in den letzten 18 Jahren über 2,8 Millionen Euro an die CDU, über 1,3 Millionen an die FDP, 380.000 Euro an die SPD, über 195.000 Euro an die CSU und über 70.000 Euro an die Grünen, errechnete der Verein Lobbycontrol. Über 30.000 Dollar sollen auch 2016 in den Wahlkampf von Donald Trump geflossen sein.

Eine Entschuldigung kommt erst nach fast drei Wochen

Außerdem handle es sich um eine Auswertung der Markteinschätzung aus einem Newsletter der Deutschen Bank, rechtfertigte sich das Geldinstitut. In dem Artikel geht es dann auch etwas differenzierter zur Sache: Bolsonaro wird als „rechtskonservativ“ eingeordnet, im entsprechenden Absatz heißt es: „Der Markt scheint seinen Wunschkandidaten bereits gefunden zu haben: Der neoliberale Bolsonaro versprach, im Falle seines Wahlsiegs auch Staatsbetriebe verkaufen zu wollen, um den Haushalt zu sanieren.“

Um sich zu entschuldigen, brauchte die Deutsche Bank weitere zehn Tage. Erst am 25. November schrieb das Geldinstitut auf Twitter: „Wir bedauern, dass durch die Verkürzung eines Tweets ein falscher Eindruck entstanden ist.“

Empörte Kunden wollen nach Jahrzehnten ihr Konto bei der Bank kündigen

Zu spät, wenn man wütenden Kunden glauben darf. „Es wird nach 24 Jahren wohl Zeit, mein Konto dort zu kündigen“, schrieb ein offen schwuler Kunde aus München aus Facebook, und nahm dabei auf den Original-Tweet der Deutschen Bank Bezug.

Auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat angekündigt, ihr Konto bei der Deutschen Bank zu schließen. „Unsere Grundsätze – auch unsere Anlagestrategie – sind mit den Aussagen der Deutschen Bank nicht vereinbar“, so Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh auf Facebook.

Bundesstiftung Magnus Hirschfeld lässt ihr Geld künftig nicht mehr bei der Deutschen Bank

So darf die Stiftung ihr Vermögen unter anderem „nicht in Anlagen von Unternehmen investiert werden, deren Aktivitäten (z.B. Diskriminierung von Minderheiten) eindeutig den Zwecken der Stiftung widersprechen“ – und das sieht der Vorstand jetzt mit der Deutschen Bank nicht möglich.

Die Bank selbst hat zum Verlust dieses prestigereichen Kunden noch keine Stellungnahme abgegeben.